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| Reiner Schlotthauer |
Der Ernst des Lebens ist wieder da, die Menschen kehren an die Fließbänder zurück. Eines wird aber vorerst bleiben, wie es zuletzt gewesen ist: Die anderen Menschen, Flüchtlinge genannt, die keine Normalität mehr kennen, kommen weiter in diesem, ihnen unbekannten Land an. Die Bahnhöfe sind inzwischen Sinnbilder ihrer lang gehegten Hoffnung, der Sicherheit vor Todesbedrohung, der Rettung vor Perspektivlosigkeit. Kaum einer kann sich hineinversetzen, fehlt doch die Erfahrung, aber jeder würde es ihnen gleichtun.
Doch wenn nun für die Einheimischen die Normalität zurückkehrt, der »Wahnsinn des Alltags«, was aber dann? Wer von den so vorbildlichen und weltweit bestaunten Privatpersonen wird noch mit Trinkflaschen, Teddys und Kleidung die Bahnhöfe aufsuchen, um zu helfen, oder um die Ankommenden, wie es Prominente vor Kameras tun, mit Handschlag zu begrüßen? Wer hat schließlich Zeit, wenn die Überstunden kommen, der Elternabend, die Gemeinderatssitzung? Und wenn dann noch Großmutter zum Pflegefall wird? Deutschland befindet sich nicht immer im Sommermärchen, es ist mitunter ein gestresstes, hart arbeitendes Land, in dem es zwar nicht an Geld fehlt, aber oft an Gemeinschaftssinn über die Nationalmannschaft hinaus, an Beziehung jenseits des eigenen Milieus. [...]
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