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Eltern & Co.
PROF. ALBERT BIESINGER ÜBER RELIGIÖSE ERZIEHUNG

Kinder brauchen Orientierung und Rituale, die Halt geben

Foto: epd, aw, pm
Unterschiedliche Nationalitäten und verschiedene Religionen – in Kindergärten und Schulen zeichnet sich der gesellschaftliche Wandel ganz deutlich ab. Was bedeutet dies für den eigenen Glauben und für die religiöse Erziehung? Der emeritierte Religionspädagoge Prof. Albert Biesinger plädiert mehr denn je für interreligiöse Projekte und Hilfestellung für Eltern.

Herr Prof. Biesinger, viele Kinder sind zwar getauft, haben aber vom Elternhaus her keinen Zugang zum Glauben. Ist es sinnvoll, als Ausgleich dazu in Kitas eine religiöse Erziehung anzubieten?
Religiöse Erziehung in den Kitas ist kein Ersatz oder Ausgleich für fehlende religiöse Erziehung im Elternhaus. Aber das Angebot in den Kitas ist schon deswegen unerlässlich, weil die interreligiöse Verständigung für die Kinder zum ganz normalen Alltag wird. Wir können es uns heute nicht mehr leisten, die Kinder nicht religiös zu erziehen. Kinder werden bereits im Kindergarten mit der religiösen Vielfalt konfrontiert, und sie diskutieren auch untereinander darüber. Da erzählt der muslimische Junge: »Mein Papa kniet fünfmal am Tag auf dem Boden und betet.« Das andere Kind antwortet: »Meine Mama sagt: Es gibt keinen Gott.« Auf solche Fragen müssen wir den Kindern Antworten mitgeben.

Wissen zu vermitteln ist etwas anderes, als im Gauben beheimatet zu sein. Wie kann man Eltern hierbei unterstützen?
Gottesbeziehung lernen beginnt in der Familie, und viele Eltern wünschen sich dabei mehr Hilfestellung. Ich erlebe es immer wieder: Die Suche ist sehr groß, das ist wie ein ausgetrockneter Schwamm. Die Kirchen haben noch Nachholbedarf in der Kommunikation einfacher Rituale. Ich gebe Eltern drei alltagstaugliche Rituale für die religiöse Erziehung mit auf den Weg: Segnen Sie Ihr Kind, wenn es morgens aus dem Haus geht. Nehmen Sie vor dem Mittagessen den Stress heraus und geben Sie sich die Hände zum Tischgebet. Beenden Sie den Tag mit einer kurzen Rückschau oder einem Abendritual. Wer sein schlafendes Kind betrachtet, der sieht die Gottesberührung in diesem Kind. Ein Lied singen, dem Kind ein Kreuzzeichen auf die Stirn malen, das ist ein einfaches Abend ritual. [...]
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