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Titelthema

Reformen! Wohin fährt der Zug?

Fotos: daw/fotolia, pilarts/fotolia
Für Reformen in der Kirche ist es »höchste Eisenbahn«, sagen viele. Mit Papst Franziskus, beim Dialogprozess und auch durch Diskussionen wie im »Fall Limburg« ist einiges in Bewegung gekommen. Doch wohin fährt der Zug? Haben die Lebenserfahrungen und das Lebensgefühl der Menschen von heute eine Chance, berücksichtigt zu werden? Roman Siebenrock, Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, nimmt Wesen und Möglichkeiten von Reformen unter die Lupe.

Papst Franziskus hat mit seinem ersten Erscheinen auf der Loggia seinen neuen Stil gezeigt. Mit dem umfangreichen Schreiben »Evangelii gaudium« (»Die Freude des Evangeliums«) ist nun sein umfangreiches Reformprogramm öffentlich geworden, das mit bemerkenswerten Orientierungen aufmerken lässt: Dezentralisierung, seine Ermutigung zu einer verbeulten Kirche und vor allem sein Leitwort: »eine arme Kirche für die Armen«. In dieses Reformprogramm hat er sein eigenes Amt ausdrücklich mit einbezogen.

Re-form: Wiedergewinnung ursprünglicher Gestalt


Wohin die Reise geht, lässt sich deshalb heute noch nicht sagen, weil jede kirchliche Reformabsicht in ihrer Verwirklichung immer von verschiedenen Umständen abhängig ist: vor allem von der Bereitschaft der ganzen Kirche und jedes einzelnen Glaubenden, sich in die Pflicht nehmen zu lassen. Deshalb ist es in dieser Stunde gut, einmal Möglichkeiten und Formen der Reform grundsätzlich zu bedenken.

Der Begriff »Reform« war in der katholischen Kirche lange Zeit nicht heimisch. Zu stark klang es nach »Reformation« und Spaltung der Kirche. Aber die Grundidee jeder Reformation ist immer analog: Im Gang der Geschichte ist die ursprüngliche Gestalt der Kirche wiederzugewinnen. Dieser Prozess beginnt bereits im Neuen Testament und besteht darin, dass die Glaubensgemeinschaft jene Gestalt ausstrahlen sollte, die Jesus Christus unverstellt in ihr sichtbar werden lässt. »Salz der Erde und Licht der Welt«, »Gemeinschaft der Liebe«, »Menschen unterschiedlicher Herkunft, Stellung und Geschlechts – aber alle eins in Christus«: In ganz verschiedener Weise wird diese Urgestalt im Neuen Testament umschrieben. [...]
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