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Wie ist das mit der Vergebung?
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Hoffnungsort
MEIN LEBEN NEU ORDNEN (1) Den ganzen Menschen im Blick

»Das Verspüren der Dinge von innen«

»Das Verspüren der Dinge von innen«
Gebet der liebenden Aufmerksamkeit: »Gott, am Ende dieses Tages suche ich deine Nähe und Gegenwart. Lass mich noch einmal auf diesen Tag schauen und auf das, was heute war.«
Foto: simonapilolla/iStock
Wer sein Leben in diesen Wochen neu ausrichten möchte, bekommt durch die Art und Weise, wie Ignatius üben lässt, eine Richtung gewiesen. Dabei geht es nicht um neues Wissen, sondern um konkrete Erfahrungen, zu denen Ignatius einlädt. Oft wird der ignatianischen Spiritualität der Vorwurf gemacht, sie sei rein asketisch. Mit Askese verbindet man Verzicht, körperliche Kasteiung, wenig Lebensfreude – schon gar keine sinnenhafte. Dabei bedeutet Askese in der wörtlichen Bedeutung: üben.

Nun liegt Üben heute genauso wenig im gesellschaftlichen Trend, da wir es gewohnt sind, nach immer Neuem und Anderem unterwegs zu sein. Die Wiederholung, die elementar zum Üben gehört, wird schnell als langweilig und öde empfunden. Doch jeder, der eine Sportart treibt, ein Instrument oder eine Sprache lernt, weiß um die Notwendigkeit des Übens und der Wiederholung. Das gilt in großen Teilen auch für geistliche Übungswege, gleich welcher Art und in welcher Religion. Doch wie genau lässt Ignatius üben?

Gleich zu Beginn des Exerzitienbuches findet sich das im Titel zitierte und recht aufschlussreiche Zitat: Es geht Ignatius nicht um ein »Vielwissen«, sondern und das Verspüren, das er mit dem spanischen Wort »sentir« beschreibt. Er weiß, dass der Mensch nicht nur mit und aus dem Verstand und dem Geist besteht, sondern dass zum Menschsein auch Gefühle gehören.

Das Verkosten ist noch mehr als Verspüren und weist darauf hin, dass auch die Sinne, also Sehen, Riechen und Schmecken, Tasten und Hören eine wichtige Bedeutung in seiner Spiritualität haben. So wird zum Beispiel erzählt, dass er sich selbst bei der Betrachtung des Sternenhimmels besonders gut in der Verbindung mit Gott erleben konnte und dieses Schauen in den Sternenhimmel ihn, in seiner Sprache gesprochen, besonders »getröstet« hat.

Wenn Ignatius Menschen also geistliche Übungen gibt, will er ihnen einen Raum eröffnen, Gott als ganzer Mensch zu begegnen. Natürlich gehört auch das Denken, Nachsinnen und die Reflexion dazu, was an vielen Stellen im Exerzitienbuch ausdrücklich erwähnt wird. Eine besondere Art des Nachsinnens, Verspürens und Verkostens ist für Ignatius die »wichtigste Viertelstunde am Tag«, das tägliche Examen, wie es in seiner Sprache heißt. Willi Lambert, ein Jesuit aus Oberschwaben, hat dafür den Begriff »Gebet der liebenden Aufmerksamkeit« verwendet, der sich heute für diese Art des Tagesabschlusses eingebürgert hat. [...]
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