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Hoffnungsort
BETEN MIT FRANZ VON ASSISI (5) Ganzheitliches Beten

Wenn Dasein selbst zum Gebet wird

Wenn Dasein selbst zum Gebet wird
Beten mit dem ganzen Körper: Die Arme und Hände nach oben heben und sich dabei an Gott wenden: Was gebe ich vertrauensvoll an ihn ab? Worum möchte ich ihn bitten?
Foto: viorel/iStock
Beten ist für Franz von Assisi kein Tun, das sich auf Gedanken oder Worte beschränkt, sondern eine Haltung des ganzen Menschen. Sein Biograf Thomas von Celano verdeutlicht das anschaulich: »Der ganze Mensch war nicht so sehr Beter als vielmehr selbst Gebet«. Wie kann es gelingen, als ganzer Mensch, mit allem, was mich ausmacht und bewegt, selbst Gebet zu werden?

In einem frühen Regelentwurf rät Franziskus »überall, an jedem Ort (…) und zu jeder Zeit« gottverbunden zu leben. Sein Blick ist weit, wenn er »alle kirchlichen Stände (…), Laien, Männer und Frauen, alle Kleinkinder, (…) Jugendlichen und Greise, die Gesunden und Kranken, (…) alle Nationen und alle Menschen, wo auch immer auf Erden, sie sind und sein werden« bittet, dass sie Gott lieben »mit ganzem Verstand, allen Kräften, mit ganzer Anstrengung, ganzer Zuneigung, (…) mit allen Wünschen und aller Willenskraft«. Dies ist Einladung auch heute, so zu leben, dass das Dasein selbst zum Gebet wird.

Von Franziskus lässt sich lernen, ganzheitlich Betende zu werden: Mit dem ganzen Körper, mit allen Sinnen, allen Gefühlen, in Beziehung zur Schöpfung, geschwisterlich und gemeinschaftlich so zu leben, dass das gelebte Leben Gebet ist und es immer mehr wird – in Beziehung und Ausrichtung auf ein göttliches »Du«.

Die ersten Gefährten bezeugen, dass Franziskus oft mit dem ganzen Körper betete. Celano überliefert: »Immer suchte er einen verborgenen Ort auf, wo er nicht nur mit seinem Geist, sondern auch mit allen seinen Gliedern auf Gott hingerichtet sein konnte.«

Franziskus betet stehend, liegend, kniend, gehend, mit ausgebreiteten Armen ebenso, wie stillsitzend in einer Höhle. Körperlich-ganzheitlich vor Gott betet er mit allen Sinnen. Mit wachen Augen nimmt er wahr, lässt sich an- und berühren von der Schöpfung.

Das Schöne, aber auch das Grausame: Er weiß es gottverbunden – es ist Gebet. Mit offenen Ohren hört er das Evangelium, auf seine Nächsten, seine Mitwelt, auf Gott und in sich selbst. Aufmerksames Lauschen, kein frommer Monolog. Er hört zu und hört hin – es ist Gebet. Feinsinnig unterwegs riecht, schmeckt und verkostet er, nicht nur Nahrung und Pflanzen, sondern auch das Wort Gottes. Franziskus tastet, berührt und lässt sich berühren. [...]
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