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Hoffnungsort
BETEN MIT FRANZ VON ASSISI (3) Schöpfungsfamilie

Geschwisterliche Haltung einüben

Geschwisterliche Haltung einüben
Polarlichter faszinieren immer wieder: Mit Franziskus dürfen wir uns eingebunden wissen in die Schönheit der Schöpfung mit Menschen, Tieren und Pflanzen, sichtbaren und unsichtbaren Elementen, Irdischem und Himmlischem.
Foto: Shahid Sultan/pexels
Wer wie ich mit Geschwistern aufgewachsen ist, weiß um den Reichtum und das Geschenk geschwisterlichen Miteinanders ebenso, wie um damit verbundene Herausforderungen und Schwierigkeiten. Fünf Jahre ist es nun her, dass die UNO den 4. Februar politisch zum »Internationalen Tag der Geschwisterlichkeit aller Menschen« erklärte. Ein Tag, der in Erinnerung ruft, Geschwisterlichkeit über den familiären Kontext hinaus universal zu denken.

Der »Internationale Tag der Geschwisterlichkeit aller Menschen« motiviert, geschwisterliche Verbundenheit über scheinbar trennende politische, religiöse, kulturelle oder andere weltanschauliche Grenzen hinweg zu stärken – international, weltweit! Er hätte Franz von Assisi einerseits sicher gut gefallen, da ihm echte, gelebte Geschwisterlichkeit ein Herzensanliegen war, andererseits wäre er ihm wohl als ein einziger Tag im Kalender viel zu wenig gewesen – ist doch seine ganze Grundhaltung, sein Leben und auch sein Beten durchweg geschwisterlich!

Zunächst erlebt Franziskus, dass sich ihm bereits Mitte April 1208 erste Gefährten anschließen, die ebenso nach dem Evangelium leben wollen. Im Testament schreibt er darüber, dass Gott ihm »Brüder« gegeben habe. Bald schon schließen sich mit Klara von Assisi und weiteren Frauen auch »Schwestern« der Bewegung an, sowie Männer und Frauen, Paare und Familien, die die Nachfolge Jesu konkret leben möchten. Geschwisterliche Verbindungen entstehen weit über Assisi, weit über die Grenzen Italiens und Europas hinaus.

Doch damit nicht genug, Franziskus’ geschwisterliche Horizonte weiten sich über die mitmenschlichen Beziehungen hinaus – hin zu Tieren, Pflanzen, zur ganzen Schöpfung. »In jedem Kunstwerk lobte er den Künstler. Was er in der geschaffenen Welt fand, führte er zurück auf den Schöpfer«, heißt es in den Franziskusquellen. Neben den Schrifttexten zeugen auch Kunstwerke wie der berühmte Freskenzyklus von Giotto in der Basilika San Francesco oder die sogenannte »Barditafel« – vor 1250 von Coppo di Marcovaldo in Florenz gemalt – von jener universalen Geschwisterlichkeit.

Gerade die Florentiner Franziskus-Tafel, die als älteste Bildbiografie gilt, zeigt in 20 Lebensszenen anschaulich, wie weit die geschwisterlichen Horizonte sind, die Franziskus lebt, zu denen er andere aufruft und ermahnt. Familiensinn über alle Grenzen hinweg: Sei es die Weihnachtsfeier in Greccio, die erinnert »mit Gott Mensch zu sein – selbst Mensch zu werden«, oder Franziskus’ Reise nach Ägypten und die dortige Begegnung mit Sultan Muhammad al-Kãmil oder der Aufforderung, »Gottes Geschöpfe zu achten« – ausgehend von Begebenheiten des Heiligen mit Vögeln und anderen Tieren. [...]
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