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aktuelle Doppelausgabe 36-37/2026 |
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| ZEHN GEBOTE (4) Du ehrst deine Eltern |
Sich vor dem Alter verneigen |
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Wie können wir das Herz unserer Eltern erfreuen? Solange es möglich ist, gilt es, die gute Zeit miteinander zu nutzen. Wer seine Eltern im Stich lässt, schneidet sich selbst von seinen Wurzeln ab. Foto: kampus/pexels |
Eigene Nachkommen garantierten dem alttestamentlichen Menschen den Fortbestand. Daher galt es als Unehre für Frauen, keine Kinder gebären zu können. In biblischen Zeiten galten Kinder als äußerst willkommene Bestätigung und Fortführung des irdischen Lebens, in dem ein ewiges Sein vor Gott nur schattenhaft präsent war. An erwachsene Kinder war das vierte Gebot gerichtet, damit diese ihre Eltern im Alter nicht vergessen oder im Stich lassen, sondern deren langes Leben würdigen und ihnen die Ehre erweisen, die ihnen gebührt.
Die Generation vor uns hat viel geleistet, auf ihrem Fleiß ruht auch unsere Existenz. Deshalb sind wir ihnen dankbar. Sie sind gewissermaßen die Wurzel, die uns trägt, die uns Bestand verleiht. Wer seine Eltern verleugnet, wer sie schlecht redet, wer den Kontakt zu ihnen meidet, schnürt sich selbst einen wichtigen Teil seiner Wurzeln ab. Natürlich hat nicht jeder Mensch eine glückliche Kindheit erlebt, aber es ist nie zu spät für eine schöne Kindheit.
In der Reflexion, in der Besinnung, im Beichtgespräch, in der Therapie oder in der geistlichen Begleitung vermag der Mensch sehr wohl immer wieder Gutes in seinem Leben zu finden und auch zu würdigen. Und wenn es nur der Gedanke an die Eltern ist, der mich dafür danken lässt, dass ich überhaupt auf der Welt bin: Auch dies ist nicht selbstverständlich und darf in Worten oder Gesten seinen Ausdruck finden.
Mit den Eltern allein erschöpft sich das biblische Gebot allerdings nicht. Es gilt im weiteren Sinne allen, die vor mir sind und Verantwortung für mich übernehmen: Lehrkräfte, Großeltern, Onkel, Tanten, Pfarrer, Vorgesetzte, Politiker. Sie zu schätzen ist eine Aufgabe, die auch mein eigenes Leben glücklicher und zufriedener machen kann. »Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott dir gibt« (Ex 20,12) ist ein Zusatz, ein Versprechen, das im guten Sinne auf mich zurückfällt. So wie ich jetzt mit den Senioren unserer Tage umgehe, gebe ich die Richtung vor, wie möglicherweise auch einmal mit mir umgegangen wird.
Es ist gesellschaftlich relevant, wie Senioren behandelt werden. Werden sie in den Firmen ob ihrer Erfahrung und Weisheit geschätzt, oder passen sie nicht mehr in ein gewinnorientiertes, schnell florierendes und leistungsintensives Unternehmen? Werden altersschwache Menschen besucht oder fristen sie ein einsames Dasein in einem isolierten Altersheim? [...]
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