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| ZEHN GEBOTE (1) Du glaubst an einen Gott |
Eine Aufgabe, die größer ist als du |
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Eine warme Mahlzeit für Bedürftige: Wenn ich Gott im Nächsten sehe, werde ich zum Handelnden, kann Hingabe an eine Aufgabe leben, die größer ist als ich selbst. Foto: KNA |
Glauben wird in unserer modernen Zeit oft geringschätzig als etwas Naives, Dummes oder Weltfremdes abgetan. In Wahrheit gleichen gläubige Menschen einem Baum mit festen Wurzeln, dessen Blätter nie welken, der jederzeit Frucht bringt, weil er nah am Wasser des Lebens steht (vgl. Ps 1). Denn die einzige Abhängigkeit, die wir Menschen brauchen, ist die Abhängigkeit von Gott. Dies macht uns frei von allen krankmachenden, einengenden und beängstigenden Süchten und Gewohnheiten.
Die Tora, das jüdische Gesetz, die Zehn Gebote sind für die Gläubigen jener Lebensbach, der sie immer wieder aufblühen und grünen lässt, der sie vielen Widerständen des Lebens trotzen lässt, der sie vor dem Irrtum und vor dem Untergang bewahrt. Glauben kommt vom Hebräischen amen, das heißt: feststehen, verwurzelt sein, zu etwas, zu jemandem stehen, für etwas einstehen. Im Lateinischen bedeutet das Wort »credo«: Ich glaube, ich gebe mein Herz.
Wofür stehen wir ein? Worauf ruht unser Lebenskonstrukt? Und woran hängt unser Herz? Was ist das Fundament unseres Lebenskonzeptes? Woraus schöpfen wir Kraft, woher bekommen wir die großen Visionen unseres Lebens? Es gibt Menschen, die sagen: »Nichts ist mir so wichtig wie Gott.« – Aber dann, im alltäglichen Lebensvollzug, schätzen sie beispielsweise ihre Mitmenschen gering … Das geht gar nicht. Wer Gott liebt, liebt auch seinen Bruder, seine Schwester.
So heißt es im Johannesbrief: »Denn wer seinen Bruder, den er vor Augen hat, nicht liebt, kann Gott nicht lieben, den er nicht vor Augen hat« (1 Joh 4,20). Diese Überlegung ist Kern jeder gesunden Frömmigkeit. Alles andere geht am Menschen vorbei, hat mit Suggestion oder Scheinheiligkeit, mit Lüge, mit Hochmut und Kleinglauben zu tun.
Wer also das erste Gebot ernst nimmt, nimmt auch seine Mitmenschen ernst und geht respektvoll mit ihnen um. »Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt« (Joh 13,35). Es ist sinnvoll, sein kleines, hinfälliges, gebrechliches Leben auf einen Größeren hin zu überschreiten (transzendieren). Im Gebet und in den Werken der Nächstenliebe gehen wir tatsächlich von uns weg und transzendieren uns in die Nähe des Verborgenen, des allseits Gegenwärtigen und doch so Unzugänglichen. [...]
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