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| FRIEDENSSTIFTER (3) Albert Schweitzer |
Ehrfurcht aktiv im Alltag leben |
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Frieden beginnt im Kleinen, etwa im Respekt vor der Schöpfung vor unserer Haustür und mit der Ehrfurcht vor allem, was lebt und daher schützenswert ist – ob nützlich oder nicht. Foto: StockSnap |
Wir leben in einer Epoche der sprachlichen Verschiebungen. Begriffe wie »Kriegstüchtigkeit« wandern ungeniert in das Vokabular politischer Reden, während über eine nukleare Bewaffnung der Bundesrepublik öffentlich debattiert wird. In dieser »Zeitenwende« wird Pazifi smus schnell als Naivität abgetan. Genau hier gewinnt das Erbe von Albert Schweitzer eine enorme gesellschaft skritische Brisanz.
Mit seiner unbequemen Ethik rüttelt der Elsässer an den Grundfesten zivilisatorischer Selbstgefälligkeit. Schweitzer suchte keine harmonische Rolle, sondern war ein scharf denkender Krisendiagnostiker. Als Philosoph, Theologe und Urwaldarzt in Lambaréné begriff er die Krise der Moderne als eine fundamentale Krise des Denkens und unserer ethischen Orientierung. Das geistige Fundament seines Handelns fand Schweitzer im Spätsommer 1915 auf dem Ogooué-Fluss in Gabun. Es verdichtete sich in dem weltberühmten Satz: »Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.« Dieses Diktum war keine romantische Naturlyrik, sondern eine rationale, unumstößliche Wahrheit. Die daraus erwachsende »Ehrfurcht vor dem Leben« fordert ein radikales Umdenken: »Ethisch ist der Mensch nur, wenn ihm das Leben als solches, das der Pflanze und des Tieres wie das des Menschen, heilig ist.« Schweitzer weigerte sich, Hierarchien des Lebendigen zu konstruieren. Wer Leben nach Nützlichkeit sortiert, ebnet den Weg für die Entmenschlichung.
Diese Haltung verbindet Schweitzers Denken untrennbar mit der späteren Sozialpsychologie Erich Fromms. Fromm prägte den Begriff der »biophilen Ethik« – der leidenschaftlichen Liebe zum Lebendigen und zum Wachstum. Dem stellte er die Nekrophilie gegenüber, die Faszination für das Tote, Mechanische und Destruktive, denn für ihn gilt: »Böse ist alles, was das Leben erstickt, einengt, zerstückelt.« [...]
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