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| FRIEDENSSTIFTER (2) Franz Jägerstätter |
Einsamer Zeuge mit Gewissen |
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Jägerstätters Erbe ist eine Mahnung an jede Epoche, den moralischen Kompass nicht zu verlieren. Bei seiner Seligsprechung 2007 hing ein Transparent mit dem Foto des österreichischen Märtyrers im Linzer Dom. Foto: KNA |
Die Geschichte der Menschheit ist reich an Erzählungen über Helden, die im Schlachtenlärm glänzten, über Strategen und politische Vordenker. Doch die tiefsten moralischen Erschütterungen gehen oft von jenen aus, die im Stillen widerstanden, deren Waff e nicht das Schwert, sondern das unnachgiebige Nein des eigenen Gewissens war. Einer dieser Menschen war Franz Jägerstätter (1907–1943).
Jägerstätters Leben und sein Sterben im Jahr 1943 sind kein historisches Relikt, sondern ein zeitloses Lehrstück über die Natur der menschlichen Freiheit, die Abgründe des kollektiven Gehorsams und die wahre Bedeutung von Friedenstüchtigkeit in einer von Gewalt berauschten Welt. Um die Wucht seiner Entscheidung zu begreifen, muss man den Blick auf das oberösterreichische Dorf St. Radegund richten, in dem Jägerstätter als einfacher Bauer, Ehemann und Vater dreier kleiner Töchter lebte. Er war kein Intellektueller. In seiner Jugend galt er durchaus als wild, war der erste im Dorf mit einem Motorrad und schreckte vor Raufereien nicht zurück.
Erst die Ehe mit der tiefgläubigen Franziska Schwaninger und eine intensive Beschäftigung mit der Bibel bewirkten eine tiefe innere Wandlung. Jägerstätter wurde Mesner seiner Gemeinde und begann, die Welt radikal durch das Prisma seines Glaubens zu betrachten. Als 1938 der »Anschluss« Österreichs stattfand, stimmte er als Einziger im Dorf mit »Nein«. Er sah mit einer Klarheit, die vielen damals abging, dass der Nationalsozialismus und das Christentum unüberbrückbare Gegensätze bildeten. Für ihn war das NS-Regime eine mörderische Macht. Wer ihr diente, so seine feste Überzeugung, machte sich an ihren Verbrechen mitschuldig.
Als im Jahr 1943 der finale Einberufungsbefehl zur Wehrmacht kam, geriet Jägerstätter in ein mörderisches Spannungsfeld, in dessen Zentrum das menschliche Gewissen steht. Es ist kein bloßes Gefühl und erst recht keine subjektive Meinung. Im tiefsten Sinne ist das Gewissen die letzte, unhintergehbare moralische Instanz im Menschen. Es ist der Ort, an dem der Einzelne mit der Wahrheit und mit Gott allein ist. [...]
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