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Wie ist das mit der Vergebung?
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Hoffnungsort
ALLES MIT MUT (3) Demut

Die Bodenhaftung nicht verlieren

Die Bodenhaftung nicht verlieren
Arbeit am Boden im Dienst des Erinnerns: Das Verlegen und Pflegen von Stolpersteinen, die das Andenken an von den Nationalsozialisten verfolgte und vielfach getötete Mitbürger bewahren sollen.
Foto: KNA
Demut – wie oft hören, lesen oder verwenden wir dieses Wort noch? Dass es eher selten ist, dürfte kein Zufall sein. Demut kommt von »Diomut«, wobei »Dio« die Abkürzung des Verbs »Dienen« ist. Demut bedeutet folglich die Bereitschaft, jemandem zu dienen, sprich: sich nach seinen Bedürfnissen, seinem Willen zu richten. Gibt es nicht genau an diesem Punkt einen auffallenden Zwiespalt in unserer Gesellschaft?

Einerseits gibt es immer mehr »Dienstleistungsberufe«, in denen der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, andererseits herrscht in vielen dieser Berufe ein gravierender Fachkräftemangel. Man denke an die Pflegeberufe, auch die Gastronomie klagt, dass es schwer ist, gute Bedienungen (!) zu finden. Nicht zuletzt fehlt es in vielen Vereinen an Ehrenamtlichen, die dem Wohl anderer Menschen unentgeltlich und verbindlich dienen möchten. Was nicht verwundert, wird uns doch vielfach weisgemacht, das Klügste sei, nach der Devise zu leben: »Hauptsache ich – was kümmern mich die andern!«

Manche Eltern meinen gar, diese Haltung ihren Kindern mitgeben zu müssen. Doch wenn wir so denken, wird das menschliche Zusammenleben immer mehr ein Hauen und Stechen. Liebe, Wertschätzung, Verständnis und Rücksicht füreinander bleiben dabei auf der Strecke. Und Demut wird zu einem Begriff, den bald keiner mehr versteht. Doch ohne sie geht es nicht, wo Menschen gut miteinander auskommen möchten – vorausgesetzt, man versteht sie nicht falsch.

Falsch wäre, Demut mit Selbsterniedrigung, Kriecherei oder übertriebener Bescheidenheit zu verwechseln. Gemeint ist mit ihr etwas anderes, nämlich die Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen, um dem oder den anderen Raum zu geben. Diese Haltung hat viele Facetten: Eine davon ist die Bereitschaft, tolerant gegenüber anderen Meinungen zu sein, auch wenn sie einem selbst unbegreiflich sind. Eine andere Facette ist Lernbereitschaft: Ich kann nicht alles, ich weiß nicht alles, also kann ich von anderen Menschen etwas lernen. Kern der Demut ist die Erkenntnis, ein Mensch mit Grenzen zu sein. Aus dieser Einsicht ergibt sich nicht, dass wir gering von uns denken, sondern dass wir uns nicht über andere stellen, sie nicht abwerten.

Immer verbunden mit der Demut ist die Dankbarkeit: Wir erkennen, wie viel wir uns nicht selbst verdanken, wie viel wir nicht in der Hand haben. Eine weitere Konsequenz der Demut ist Höflichkeit – ist sie doch nichts andres als eine Form der Rücksicht und Achtung vor dem Gegenüber. Wenn man jemandem den Vortritt lässt, ihm die Tür öffnet, in den Mantel hilft, den Sitzplatz anbietet, sich für seine Hilfe oder Rücksicht bedankt, so sind das alles Formen des Respekts. Nicht zuletzt zeigt sich Demut auch in Anpassungsbereitschaft: Man versucht nicht immer, den eigenen Kopf und die eigenen Wünsche durchzusetzen, sondern kann sich in eine Gemeinschaft oder Gruppe einfügen. Wir sehen: Demut ist für das Zusammenleben unentbehrlich. [...]
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