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| GESELLSCHAFTSSPIELE |
Lerneffekte getarnt hinter bunten Figuren |
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Wer spielt heute noch gemeinsam in der Familie Brettspiele? Dabei sind genau diese ein toller Entwicklungshelfer bei Kindern – Lerneffekt vorprogrammiert. Foto: skynesher/iStock |
Eins, zwei, drei, vier, fünf – zack, fliegt die Spielfigur vom Brett und muss zurück auf Start. »Mensch ärgere dich nicht«, das sagt sich so leicht. Vor allem Kinder können ganz schön wütend werden, wenn es beim Gesellschaftsspiel nicht so läuft wie gedacht. Gemeinsam an einem Spielbrett sitzen, sich ärgern und wenig später wieder freuen, Strategien entwickeln und mit den Mitspielern über Regeln diskutieren: Spielen ist viel mehr als »nur ein Spiel«.
Spielen ist für uns Menschen ein Grundphänomen«, betont Jens Junge. Der Spieleforscher ist Direktor des Instituts für Ludologie an der SRH University Berlin. Spielen sei keine Nebensache, sondern eine der wenigen anthropologischen Konstanten der Menschheit. Gespielt wurde, das zeigen archäologische Funde, schon vor Jahrtausenden. Mit positiven Effekten gerade für Kinder: Spielen ermögliche ihnen, so Junge in seinen spieltheoretischen Ausführungen auf der Webseite des Instituts (www.ludologie.de), »ihre motorischen Fertigkeiten zu entwickeln, kognitive Fähigkeiten zu verbessern, soziale Verhaltensweisen zu trainieren und ihre Vorstellungskraft, Phantasie und Kreativität zu fördern«.
Das freie Spiel ist der erste Schritt: Greifen und begreifen, rennen, bauen, Rollenspiele. Doch schon ab zwei Jahren können Kinder erste einfache Gesellschaftsspiele spielen, auf der Basis von Farben, Formen oder Symbolen. Ab etwa drei Jahren entwickeln viele Kinder ein erstes Verständnis für feste Spielregeln. Klassische Brettspiele mit Zahlenwürfeln funktionieren ab vier bis fünf Jahren, wenn Konzentration und Frustrationstoleranz zunehmen. Und sie haben einen bemerkenswerten Nebeneffekt: Forscher der Universität Osnabrück zeigten, dass sich dadurch die mathematischen Kompetenzen von Vorschulkindern verbessern können, etwa beim Zählen oder beim Verständnis von Zahlenfolgen.
Untersucht wurden Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, die über mehrere Wochen hinweg regelmäßig spielten. Das Ergebnis: Wer Brettspiele mit herkömmlichen Zahlenwürfeln nutzte – etwa Klassiker wie »Mensch ärgere dich nicht« –, entwickelte deutlich bessere Fähigkeiten im Zählen, im Erkennen von Zahlenmustern und im strukturierten Denken als Kinder, die mit Farb- oder Symbolwürfeln spielten. Selbst ein Jahr nach den Spielphasen zeigten sich weiterhin Unterschiede. [...]
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