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| Glaubensland |
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| DAS INTERVIEW: MICHAEL SEITZ |
Vom Tatort zur Seelsorge |
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Seine größte Kompetenz im Polizeidienst nimmt er in dem Bereich wahr, der mit Sprache zu tun hat. Als Polizeiseelsorger will Michael Seitz für seine Kollegen da sein. Foto: Pavel Jerabek/drs |
Nach 20 Jahren im Polizeidienst wechselt Michael Seitz, bisher Kriminalpolizist in Ulm sowie Diakon im Nebenamt, zur katholischen Polizeiseelsorge und löst Georg Hug ab, der nach 16 Jahren als Seelsorger in den Ruhestand geht. Im Interview schildert Michael Seitz seinen Weg vom Ermittler zum Begleiter der Ermittelnden in Nord-Württemberg.
Herr Seitz, als Polizeibeamter haben Sie Dinge erlebt, die aufwühlen. Jetzt sind Sie als Polizeiseelsorger für Ihre ehemaligen Kollegen und deren aufwühlende Erlebnisse zuständig. Was gab denn den Ausschlag für den Seitenwechsel?
Ich muss vorausschicken, dass ich sehr gerne Polizist war und mich immer noch auch ein bisschen als Polizist fühle. Meine größte Kompetenz im Polizeidienst habe ich in dem Bereich wahrgenommen, der mit Sprache zu tun hat: also anspruchsvolle Vernehmungen, auch mit Personen, die nicht ganz leicht zu greifen sind. Deshalb bin ich zur Kripo gegangen und war zuletzt bei der Kriminalinspektion I im Bereich Kapitaldelikte und Sexualdelikte tätig. Das hat mir sehr gelegen und das ist etwas, das ich in meiner neuen Tätigkeit als Seelsorger wiederfinde. Gleichzeitig habe ich einen religiösen Weg hinter mir oder befinde mich immer noch auf diesem Weg, der mich nicht loslässt und der mich in die Ausbildung zum Diakon geführt hat. Dieser Weg hat mein Interesse, nah bei den Menschen zu sein und wirklich auch über existenzielle Themen ins Gespräch zu kommen, deutlich wachsen lassen.
Wer täglich mit Mord und Totschlag zu tun hat, wäre doch eher geneigt zu sagen: »Ich fall vom Glauben ab« – zumindest dem an die Menschheit. Ihr Weg verläuft aber eher gegensätzlich. Wie passt das zusammen?
Das lässt sich mit einer Licht-Dunkelheit-Metapher beschreiben: Wer viel Dunkelheit erlebt, stellt die Frage: Wo ist mal Licht im Leben? Wo kriege ich das her? Ich glaube, dass ich durch meine Glaubensentwicklung in den letzten 15 Jahren viel gewonnen habe: an Freude, an Geduld mit schwierigen Menschen, an Möglichkeiten durchzuatmen… Diese Freude, dieses Licht, das ich für mich entdeckt habe, möchte ich teilen. Ich möchte den Impuls, das Licht zu sehen, einen Halt und gute Werte zu finden, weitergeben und in den Berufsalltag der Polizisten einbringen.
Bietet die Dunkelheit, mit der Polizisten oft konfrontiert sind, einen guten Anknüpfungspunkt für die Polizeiseelsorge?
Die vielen Erlebnisse, die man als Polizist hat und die man sich in der Mehrheitsgesellschaft so kaum vorstellen kann, beinhalten ganz viele existenzielle Fragen und existenzielle Momente: Gewalterfahrungen, Todesfälle, Suizide; wenn ein Kind stirbt, oder wenn ein Mensch in einer Situation lebt, die wirklich menschenunwürdig ist … Es ist ein Arbeitsfeld, das bei vielen Menschen Fragen aufwirft. In den Bereichen, wo ich gearbeitet habe, habe ich erlebt, dass man mit vielen Kollegen über solche Themen ins Gespräch kommen kann. [...]
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