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Die moderne Hochleistungsgesellschaft misst den Menschen nach Funktion, Erfolg und Leistung. Viele vermissen nichts und Glaubensfragen spielen keine Rolle. Foto: South_agency/iStock |
Spiritualität hat Konjunktur – so liest und hört man jedenfalls immer wieder. Doch schaut man genauer, betrifft diese Sehnsucht meist eher vage und unverbindliche Inhalte und Formen des Religiösen. Geht es dagegen um den eigentlichen Kern des christlichen Glaubens, um die existenzielle Frage nach Gott, um seine Relevanz für das menschliche Leben, um die Botschaft von Tod und Auferstehung, dann trifft man nicht selten auf Verschlossenheit, Gleichgültigkeit oder Abwehr. »Ich glaub’ nichts – mir fehlt nichts«, lautet ein Satz, der die Befindlichkeit vieler auf den Punkt bringt. »Ich bin weder religiös noch atheistisch – ich bin normal«, beschrieb kürzlich jemand das Lebensgefühl im weitestgehend säkularen Osten Deutschlands. Glaubensfragen sind für viele schlicht kein Thema mehr; sie spielen im Alltag keine Rolle.
Auffällig ist dabei eine verdeckte Not unserer Zeit: Nicht wenige Menschen tun sich mit dem Glauben an ihren eigenen Wert und ihre Würde schwer. In einer hyperdynamischen und zunehmend digitalisierten Hochleistungsgesellschaft, die den Menschen primär nach Funktion, Erfolg und Leistung misst, fühlen sich nicht wenige überfordert beziehungsweise gescheitert, austauschbar oder sogar ausgemustert. Bewusst oder unbewusst, eingestanden oder nicht: Selbstwertgefühl und Selbstachtung sind bei nicht wenigen angeschlagen oder gar gebrochen. Eigentlich könnte da die biblische Botschaft von der unzerstörbaren Würde eines jeden Menschen äußerst guttun. Doch sie bleibt den meisten fern. – Rechnen sie nicht mehr damit, dass ihnen ihre unbedingte Würde noch zugesprochen werden könnte?
»Danke, wir brauchen nichts.« – Ein Satz, den nicht nur Handelsvertreter zu hören bekommen. Auch haupt- und ehrenamtliche »Vertreter« von Glaube und Kirche stoßen immer wieder auf eine Mauer aus Distanz, Desinteresse oder gar expliziter Ablehnung: »Missionieren zwecklos!«
Die dramatische Missbrauchskrise sowie der Umgang mancher Amtsträger mit Geld, Macht und Privilegien haben diese Distanzierung massiv beschleunigt. Für viele vermittelt die Institution derzeit das Bild einer »Kirche im freien Fall«. »In der freien Wirtschaft wäre das Insolvenzverschleppung«, kommentierte ein befreundeter Betriebswirt nüchtern. Wer sich heute noch engagiert, muss sich nicht selten rechtfertigen: »Wie, da gehst du immer noch hin?« [...]
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