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| Titelthema |
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| Exerzitien heute |
Exerzitien – neu belebt |
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Viele assoziieren Exerzitien mit Schweigen in einem Kloster. Dabei gibt es so viel mehr, bei dem man etwas für sich und seine Spiritualität tun kann. Zum Beispiel beim Malen einer Landschaft oder eben eines Klosters. Foto: KNA |
Wer gerne Exerzitien, also »geistliche Übungen«, macht, stößt in der Diözese auf ein breit gefächertes Angebot. Neben klassischen Formen wie Schweigeexerzitien entstehen vielerorts Wander-, Musik- oder Kräuterexerzitien, Angebote für junge Erwachsene oder sogar digitale Formate. Was sie verbindet, ist die Suche nach einer Spiritualität, die Menschen dort abholt, wo sie stehen. Außerhalb von christlichen Kreisen wird der Begriff hingegen oft gar nicht mehr richtig verstanden. Exerzitien – was bedeutet das ganz konkret? Mit welchen Sehnsüchten kommen Menschen in die Klöster und wie werden sich spirituelle Angebote in Zukunft verändern? Verantwortliche aus den Klöstern Sießen, Reute und Beuron sowie der Zukunftswerkstatt der Jesuiten in Frankfurt erzählen von Erfahrungen und Perspektiven.
Exerzitien ohne Entschleunigung, Achtsamkeit und Selbstfindung – also all das, was auch eine normale Auszeit ausmacht – gibt es eigentlich nicht. Bei den Exerzitien kommt aber zusätzlich dazu: Ich tue all das im Raum der Gegenwart Gottes«, erklärt Sr. Elke Weidinger aus Sießen den Unterschied zwischen Exerzitien und einfachen spirituellen Auszeiten.
Im Kloster Sießen gehören Herbstexerzitien ebenso zum Programm wie ignatianische Einzelexerzitien oder Exerzitien mit musikalischen Elementen. Schweigen, persönliche Gebetszeiten und geistliche Begleitung bilden dabei häufig den Rahmen, ergänzt durch Leibarbeit, gemeinsames Morgen- und Abendlob oder Musik-Impulse.
»Für viele Menschen stellt es eine große Herausforderung dar, Stille auszuhalten«, sagt Sr. Elke. Doch gerade darin könne etwas in Bewegung kommen. Sie verweist auf ein Wort des heiligen Franz von Sales: »Wenn dein Herz wandert oder leidet, bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart Gottes.« Für sie beschreibt dieses Bild den Kern der Exerzitien: »In die Beziehung mit Gott einzutauchen hat mit Selbstfindung zu tun.«
Die Menschen, die nach Sießen kommen, bringen ganz unterschiedliche Fragen mit. Viele befinden sich in Krisen oder Übergangssituationen, andere suchen nach Orientierung oder möchten ihren Glauben neu entdecken. Auch Kirchenferne finden den Weg ins Kloster. »Dahinter steckt oft eine Hilflosigkeit, die Menschen suchen eine geistliche Heimat, die sie in den Gemeinden manchmal nicht finden«, sagt die Religionspädagogin. »Sie suchen nach innerem Halt in unsicheren Zeiten, wollen raus aus dem Hamsterrad und stellen sich Fragen wie: Wer bin ich als Mensch jenseits aller Leistung? Sie wollen wieder den Kontakt zu sich selbst finden.« [...]
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