Katholisches Sonntagsblatt - Das Magazin der Diözese Rottenburg-Stuttgart Ihr Glücksgriff zur Herbst - Zwei Erwachsene und ein Kind lesen das Katholische Sonntagblatt
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Zwei Jungen und dem Schriftzug: Wie ist das mit der Vergebung?

Wie ist das mit der Vergebung?
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Drei Religionen – eine große Familie?

Drei Religionen – eine große Familie?
Das Judentum ist die älteste der drei monotheistischen Religionen. Sie gründet sich auf den Bund zwischen Abraham und Gott. Das Gebet mit Gebetstuch und Gebetsriemen in einer Synagoge ist vor allem für Männer sehr wichtig.
Foto: KNA
Wir kennen sie alle: die Geschichte von Abraham und seiner Frau Sara. Sie ist unfruchtbar. Deshalb bekommt Abraham mit seiner Magd einen Nachfahren: Ismael. Im hohen Alter wird Sara doch noch schwanger: mit Isaak. Gott schließt danach mit Abraham einen Bund und verspricht ihm, dass er in weiter Ferne Vater vieler Völker wird. Aus seinem Glauben an den einen Gott sind drei Religionen entstanden: Judentum, Christentum und Islam. Jede Religion unterscheidet sich von den anderen. So kam es immer wieder zu vielen Kriegen und Konflikten. Wir Menschen wollen oft nur die Unterschiede zum Gegenüber sehen. Christina Braun studiert interreligiöse Theologien und hat sich mit den Gemeinsamkeiten der abrahamitischen Religionen beschäftigt. Sind wir nicht eigentlich alle eine große Familie?

In der medialen Öffentlichkeit werden Debatten heutzutage häufig bewusst polarisierend geführt, um möglichst viele Menschen zu erreichen: Emotionen führen zu Interaktion, Interaktion erzeugt Klicks und Klicks bringen Geld. Das führt dazu, dass Menschen in Kategorien eingeteilt und trennende Mauern aufgezogen werden. So kann der Eindruck entstehen, es gebe »uns« und »die Anderen« und als hätten diese Gruppen nichts miteinander zu tun. Vorhandene Gemeinsamkeiten werden ausgeblendet, denn Harmonie und gute Nachrichten sind weniger profitabel. Auch beim Sprechen über Religionen ist das der Fall. Das »christliche Abendland« oder die »christliche Leitkultur« wird beispielsweise von manchen politischen Akteuren »dem Islam« gegenübergestellt, der bei einem solchen Sprechen als einheitliche, fremdartige Instanz inszeniert wird. Debatten über jüdisches Leben in Deutschland und der Welt klingen teils, als wären Jüdinnen und Juden grundlegend andere Menschen als alle anderen, anders als das große »Wir«. Dabei verbindet die drei sogenannten abrahamitischen Weltreligionen – Judentum, Christentum und Islam – viel mehr, als man auf den ersten Blick vielleicht denken mag.

Wenn ich an das Verhältnis der drei genannten Religionen denke, kommt mir das Bild einer großen Familie in den Sinn, in der es gemeinsame Wurzeln und zahlreiche verbindende Elemente gibt, auch wenn jedes Familienmitglied seine Eigenheiten hat. So stelle ich mir einen Stammbaum vor, an dem jede Religion einen Ast darstellt, der sich wiederum in weitere kleine Zweige unterteilt, die den einzelnen Kirchen, Rechtsschulen und Strömungen entsprechen. Schaut man ganz genau hin, sieht kein Zweig aus wie der andere. Aber tritt man einen Schritt zurück, fallen diese Unterschiede nicht mehr so ins Gewicht und man sieht, dass sie alle Teile eines großen Ganzen sind. [...]
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