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Was, wenn es keine Bienen mehr gibt? |
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| Manuela Kaczmarek, Redakteurin |
In einem bekannten Buch von Maja Lunde, das 2018 im Buchhandel erschienen ist, wird ein Zukunftsszenario beschrieben, in dem es keine Bienen mehr gibt und Menschen Bäume von Hand bestäuben müssen. Das ist mühselig und körperlich sehr anstrengend – so beschreibt die Autorin eine Zukunft, die uns heutzutage noch recht weit entfernt oder beinahe sogar unmöglich erscheint. Maja Lunde terminiert ihre fiktive Überlegung ins Jahr 2098. Das liegt 72 Jahre in der Zukunft. Dabei könnte dieses erdachte Szenario schneller näher rücken als gedacht. Laut einer Studie der Universität in Stuttgart-Hohenheim ist die Anzahl der Insekten, die für die Bestäubung zuständig sind, schon heute so weit zurückgegangen, dass die Wahrscheinlichkeit von Ernteausfällen auch in den nächsten Jahren weiter steigt. Denn Bestäuberinsekten wie Bienen, Schmetterlinge oder Hummeln sind nicht nur dafür zuständig, dass aus einer Blüte eine Frucht wird. Wird eine Pflanze nicht bestäubt, bildet sie auch kein Saatgut, das für zukünftige Ernten wichtig ist.
Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der wir Menschen Pflanzen von Hand bestäuben müssen, um Lebensmittel produzieren zu können? Oder in der wir jede Menge Geld aufbringen müssen, um diese von weit her importieren zu lassen? Beide Szenarien scheinen heute, mit Blick auf überfüllte Supermärkte, kaum vorstellbar. Dabei ist nicht erst seit gestern klar, dass immer mehr Insektenarten zurückgehen oder ganz aussterben. In einer Zeit von Überfluss und ständiger Verfügbarkeit haben viele Menschen verlernt, woher ihre Lebensmittel kommen und was dafür nötig ist, dass sie jeden Tag genüsslich in einen Apfel beißen können. Die Ernte ist von vielen Faktoren abhängig – die Bestäubung ist nur einer davon. Darum ist es gut, dass Christinnen und Christen einen Tag feiern, an dem sie daran erinnert werden, welch unermesslich großen Schatz Gott den Menschen mit den Früchten der Erde schenkt.
Früher wurde eine schlechte Ernte häufig mit dem Zorn Gottes verbunden. Und auch in nicht-religiösen Kontexten wurde das Erntedankfest schon vor vielen Jahrhunderten gefeiert. Schließlich war die Ernte ohne Technik und Maschinen eine harte, lange und körperlich sehr herausfordernde Arbeit. Umso größer also die Freude, wenn sie erledigt war. [...]
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