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Den Perfektionismus loslassen |
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| Diana Roll, Redakteurin |
»Was? Du nimmst keine Nahrungsergänzungsmittel?«, dieses Gespräch entspann sich kürzlich nach dem Sport. »Ich schwöre seit Jahren auf einen Vitaminsaft, der alles enthält, was ich brauche«, berichtete die eine. »Ich nehme täglich Omega-3-Fettsäuren. Das ist zwar nicht günstig, aber ganz wichtig, vor allem für uns Frauen«, meinte eine andere. »Ich verzichte schon lange auf Industriezucker«, so die dritte, »und mache jeden Tag Sport.«
Für sich selbst zu sorgen und die eigene Gesundheit im Blick zu haben, ist wichtig. Eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, aber auch Entspannungsphasen für Körper und Seele verbessern gesundheitliche Werte und steigern das Wohlbefinden. Vielen Menschen helfen Smartwatches – digitale Armbanduhren mit Fitness- und Gesundheitsfunktion – sowie entsprechende Anwendungen auf dem Handy dabei, ihre tägliche Leistung zu erfassen und dabei auch noch Puls und Blutdruck im Blick zu behalten. Und nicht nur das: Die Zahlen motivieren sie zudem dazu, dem inneren Schweinehund – »Sie sind heute erst 7000 Schritte gelaufen« – auf die Sprünge zu helfen und erfolgreiche Leistungen in den sozialen Netzwerken zu teilen.
Doch was, wenn die Selbstoptimierung aufhört, gesund zu sein? Wenn die Ernährung immer radikaler und der Sport immer exzessiver wird? Wenn eines von beiden oder sogar beide zu einer »Religion« werden, die den gesamten Lebensinhalt ausmacht? Laut Studien nimmt der Perfektionismus vor allem bei jungen Leuten zu – angespornt durch die sozialen Medien. In Kliniken werden zunehmend Menschen behandelt, die der ständige Stress und Leistungsdruck krank gemacht hat. Sie berichten davon, dass ihr Körper für sie ein Messobjekt und jeder Tag ein neues Projekt war, in dem es nur noch darum ging, To-Do-Listen abzuarbeiten. Sogar Entspannungsphasen wurden auf dieser Liste zur Pflichtaufgabe. Sie erzählen, dass sie sich nur noch auf die abgebildeten Daten verlassen und dabei den Zugang zu ihrer eigenen Körperwahrnehmung verloren haben. Ebenso wie soziale Beziehungen, die in ihrem Alltag schon lange keinen Platz mehr hatten. [...]
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