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| Gabriela Rothmund-Gaul, Redakteurin |
»Endlich«, werden die einen sagen, und vermutlich gibt es Menschen, die erschrocken befürchten: »Das ist der Anfang vom Ende!« Die Rede ist vom Schulfach »Christliche Religion«, das mit dem neuen Schuljahr im Bundesland Niedersachsen in der vergangenen Woche an den Start ging.
Schrittweise, so vermeldete die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Bündnis 90/Die Grünen), würden die bisher getrennten Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion zusammengeführt – und sie sieht darin eine wegweisende Entwicklung.
Sicherlich ist eine kontinuierlich rückläufige Zahl an getauften Schülerinnen und Schülern beziehungsweise die Zunahme derer, die anderen Religionen und Konfessionen oder gar keinem Bekenntnis angehören, ein Aspekt, der zu einer Zusammenlegung geführt hat. Wer sich darauf beschränkt, sieht vermutlich nur Verlust und Niedergang.
Doch diese Veränderung im Fächerangebot der Schule ist weder einseitig begründet noch gänzlich neu. Sie ist bei näherem Betrachten zukunftsweisend und eine große Chance für die Kirche. Warum? Die Mahnung, die Kirche würde sich zu wenig in die gesellschaftlichen Belange einbringen und hätte keine Stimme mehr in der Politik, wird immer dringlicher. Dabei sind es die grundlegenden christlichen Werte, die für eine gelingende Gesellschaft vonnöten sind. Doch wo können die jungen Menschen diese Werte kennenlernen, sich damit auseinandersetzen und im gesellschaftlichen Umfeld reflektieren?
Vor 70 Jahren waren es oft noch das Elternhaus und ein gelebtes kirchliches Umfeld, die die Kinder meist automatisch mit hineingenommen haben in den Kosmos »Christsein«. Das fehlt immer mehr, und selbst da, wo es vielleicht noch funktioniert, ist es in der pluralen Gesellschaft kein Selbstläufer. [...]
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