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Überforderung mit Ansage |
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| Diana Roll, Redakteurin |
Stellen Sie sich vor, Sie sind in diesen Tagen als Lehrerin oder Lehrer mit über 50 Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren auf Klassenfahrt: Die brütende Hitze, Übernachtungen in einem aufgeheizten Hostel, in dem die Fenster – wegen Absturzgefahr – nur gekippt werden können, der Ausfall des Intercitys und stundenlanges Warten am Bahnhof, bevor es im Bummelzug ohne Klimaanlage zurück nach Hause geht. Doch das ist nicht alles: Denn auch die Programmgestaltung entpuppt sich als herausfordernd: »Wir können nicht mehr laufen, uns tun die Füße weh«, »das Museum ist total langweilig«, »ich will mein Handy abends nicht abgeben« – soweit nur einige der täglichen Auseinandersetzungen mit den Schülern. Keine Sonnencremes oder Kopfbedeckungen bei 40 Grad, Flip-Flops und eine Handtasche, die keinen Platz für eine kleine Wasserflasche bietet, für einen Tagesausflug – so sind viele Schüler ausgestattet. Nach der Rückkehr geht es in der Schule turbulent weiter: Ein Mädchen mit Schwächeanfall, ein Junge, der mit einem Messer herumfuchtelt oder das Vorstellungsgespräch mit einem vorbestraften Jungen, der gerne die neunte Klasse der Schule besuchen will.
Dies alles sind keine ausgedachten oder überspitzten Szenarien, sondern normaler Berufsalltag von Lehrerinnen und Lehrern. Beispielsweise bei meinem Mann. Die Motivation, mit der er vor Jahren in seinen Beruf gestartet ist, hat gelitten. Inzwischen nimmt das Unterrichten nur noch einen Bruchteil seines Tagesgeschäftes ein. Wenn er jetzt in die Schule kommt, erwarten ihn verhaltensauffällige Kinder, schwierige Elternhäuser, regelmäßige Vertretungsstunden für fehlende Kollegen, unmotivierte und unkonzentrierte Schüler, Cybermobbing. Kein Wunder, dass sich nicht nur er, sondern fast alle seiner Kolleginnen und Kollegen überfordert fühlen.
Das hat auch das »Schulbarometer« herausgefunden, das die Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart jetzt wieder veröffentlicht hat. Laut der Studie würde gut jeder vierte Lehrer bei einer Alternative den Beruf aufgeben. Das darf nicht sein! Dringender denn je braucht diese Gesellschaft gute und motivierte Lehrer. Sie sind sowieso schon rar. Vielmehr braucht es ein grundlegendes Umdenken in der Bildungspolitik. [...]
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