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| Reiner Schlotthauer |
Mit den Brettern, die die Welt bedeuten, der Bühne, ist es oft nicht anders als mit der echten Welt, ob zu Hause, auf Arbeit oder etwa, wenn man sich hineinversetzt, in einer Institution wie der Bischofskonferenz, die jetzt über den Umgang mit dem Missbrauch beriet: nämlich dass erst der sich als »runder« und nicht bloß als »flacher« Charakter bezeichnen darf, der sich entwickelt und das Beste aus seinen Möglichkeiten macht. Ein Schauspieler braucht drei Stunden, um seine Rolle zu entfalten, ein Normalmensch ein halbes Leben. Und ein Kirchenmann?
Karl Rahner, der große Theologe, sprach sogar davon, dass sich das Leben erst in der Todesstunde endgültig vollende, die Beziehungen zu Mensch und zu Gott, wie lange auch zurück, da noch mal bedeutend sein würden. Ein Entwicklungspsychologe brächte es so auf den Punkt: Der Mensch lernt nie aus. Davon hängt auch ab, ob dann dieser als Persönlichkeit gesehen wird, noch dazu als eine, mit der es sich identifizieren lässt, ein Vorbild, an dessen Seite man gerne rückte, wenn es dick kommt. Da ist Herzensbildung so wichtig wie Studium. Der Bühnenfigur geht es so, dem Vater und auch dem Oberhirten. [...]
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