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Glaube & Wissen
KIRCHENBILDER (3): HAUS UND HAUSHALT GOTTES

»Ihr nämlich seid die lebendigen Bausteine für das heilige Haus«

Der Pfarrer soll seine Gemeinde wie ein Familienvater leiten und den Haushalt führen. Nach dem traditionellen Familienbild wurde die Kirche als »Haus Gottes« klar strukturiert. Die hierarchische Ordnung, die sich in der frühen Kirche entwickelte und bis heute gilt, gründet in Bildern wie diesem.
Foto: KNA
»Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land, aus edlem Stein erbauet, von Gottes Meisterhand. Gott wir loben dich, Gott wir preisen dich. O lass im Hause dein uns all geborgen sein.« (GL 478,1). Ein Lied, das jeder kennt. Eine mitreißende Melodie. Aber der Text! Die einen singen ihn voll Inbrunst eingedenk besserer Zeiten, als die Gotteshäuser noch voll waren, die Pfarrer noch Moral predigten und das Haus Kirche noch ganz Glanz und Glorie war, eine heile und heilige Welt für sich. Den anderen gehen die Liedzeilen nicht über die Lippen: Zu viel Triumphalismus sehen sie in diesem »Haus voll Glorie«, zu viel Geist des 19. Jahrhunderts, den diese damals verfasste Liedstrophe atmet. Im 20. Jahrhundert erhielt das Lied weitere Strophen, die das Bild vom »Haus voll Glorie« durch andere Bilder ergänzen: Der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils durchdringt auch das Gotteslob.

Eine fast alltägliche Erfahrung: die Kirche als Baustelle. Kirchenbau gehört seit 1500 Jahren zur Lebenswelt der Christen. Kirchen sind steingewordene Glaubenszeugnisse, und Bauerfahrung ist nicht selten der Mörtel, der Gemeinden stark werden ließ: Wer hat nicht selbst mitgeplant, Geld gesammelt, mit Hand angelegt, als nach dem Krieg Kirchen fehlten und gebaut werden mussten, als die alte Kirche renoviert wurde, als nach dem Konzil Kirchenräume eine neue Gestalt erhielten? Unter der Hand wird so aus einem Kirchenbau: »meine Kirche«, »unsere Kirche«.

Das Bild von Kirche als Haus ist freilich älter als die ältesten Kirchenbauten. Bereits im ersten Petrusbrief (1 Petr 2,5–7) wird die Gemeinde als ein »Haus aus lebendigen Steinen« beschrieben, dessen Schlussstein oder »Eckstein« Christus ist. Was heißt: Ohne die lebendigen Gläubigen gibt es keine Kirche, und wenn Christus nicht durch seine Gegenwart dem Gebäude Statik und Festigkeit gibt, dann hat es keinen Bestand und fällt in sich zusammen. Die Bewohner antiker Städte hatten Erfahrungen mit Großbaustellen. Heute noch erzählen grandiose Ruinen von den Bauprojekten, die gerade in der Zeit überall hochgezogen wurden, als die ersten Christengemeinden dort aufblühten. [...]
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