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| Hoffnungsort |
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| TRAUER IN DER BIBEL (2) Sprachlosigkeit |
Wenn das Leid den Glauben erschüttert |
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Trägt unser Gottesbild auch in der Erfahrung von Verlust und Tod? Gott antwortet oft anders als erwartet. Foto: tuor/pixabay |
Warum lässt Gott das Leid eines unschuldigen Menschen zu? Das Buch Ijob stellt diese Frage mit erschütternder Off enheit. Es erzählt von einem Mann, der alles verliert, und von Freunden, die sein Unglück erklären wollen. Doch nicht jede Antwort tröstet. Manchmal braucht ein leidender Mensch keine Erklärung, sondern jemanden, der seinen Schmerz aushält.
Was geschieht, wenn ein Mensch nicht nur seine Lebensordnung verliert, sondern auch die Gewissheit, Gott zu verstehen? Das Buch Ijob erzählt von einem solchen Zusammenbruch. Wie lässt sich das Leid eines Unschuldigen mit dem Glauben an einen gerechten Gott vereinbaren? Ijob wird als rechtschaffener und gottesfürchtiger Mann vorgestellt. Er hat eine Familie, besitzt Wohlstand und genießt Ansehen. Dann verliert er seinen Besitz, seine Kinder und schließlich seine Gesundheit (Ijob 1–2). Die Erzählung macht deutlich, dass sein Unglück keine Strafe für persönliches Fehlverhalten ist. Rechtschaffenheit bewahrt den Menschen nicht vor Leid.
Ijob hat auf Gott vertraut. Nun erlebt er etwas, das seine bisherigen Gewissheiten erschüttert. Er verflucht den Tag seiner Geburt (Ijob 3,1–3) und verlangt zu erfahren, weshalb ihm all das widerfahren ist. Seine Fragen richten sich nicht allein auf die Ereignisse. Sie betreffen die Gerechtigkeit Gottes selbst. Ein schwerer Verlust kann auch heute solche Erschütterungen auslösen. Wer Gott bisher als schützende Gegenwart erfahren hat, versteht möglicherweise nicht mehr, weshalb er das Geschehene nicht verhindert hat. Das vertraute Gottesbild verliert seine Selbstverständlichkeit. Zum Verlust tritt die Trauer um eine religiöse Gewissheit, die nicht mehr trägt.
Drei Freunde kommen zu Ijob, als sie von seinem Unglück erfahren. Sie erkennen ihn kaum wieder, weinen und setzen sich zu ihm auf die Erde. Sieben Tage und sieben Nächte sprechen sie kein Wort, weil sie sehen, wie groß sein Schmerz ist (Ijob 2,11–13). Zunächst handeln sie richtig: Sie suchen seine Nähe, teilen seine Ohnmacht und verzichten darauf, das Unbegreifliche sofort zu deuten. Erst als sie zu reden beginnen, verändert sich ihre Haltung. Die Freunde versuchen, das Geschehen mit ihrem Verständnis göttlicher Gerechtigkeit zu erklären. Wenn Gott gerecht ist, so ihre Überlegung, müsse Ijobs Leid eine Ursache in seinem Verhalten haben. Vielleicht habe er Schuld auf sich geladen, die er nicht eingestehen wolle. Damit wird aus einem theologischen Erklärungsversuch eine Belastung für den Leidenden. Ijob muss sich nicht nur mit seinem Verlust auseinandersetzen, sondern auch gegen den Verdacht verteidigen, ihn selbst verschuldet zu haben. Die Freunde halten so fest an ihrem Weltbild, dass sie die Erfahrung des Menschen vor ihnen kaum mehr wahrnehmen. [...]
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