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| Hoffnungsort |
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| TRAUER IN DER BIBEL (1) Sprache der Trauer |
Wenn der Schmerz Worte sucht |
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Schmerz in Worte zu fassen fällt oft nicht leicht. Wer Gott sein Leid entgegenhält, braucht dazu aber kein Gebetbuch. Foto: KNA |
Trauer braucht Worte. Doch manchmal fehlen sie gerade dann, wenn der Schmerz am größten ist. Die Psalmen geben auch Zorn, Verzweiflung und der Frage nach Gottes Schweigen eine Stimme. Sie zeigen, dass Klage kein Mangel an Glauben ist. Wer Gott sein Leid entgegenhält, darf mit allem, was ihn bewegt, vor ihn treten.
Trauer macht oft sprachlos. Gerade in Momenten tiefen Schmerzes fehlen Menschen die Worte, um ihr inneres Erleben auszudrücken. Andere erleben das Gegenteil: Sie müssen immer wieder erzählen, klagen und fragen. Beides kennt die Bibel. Kaum irgendwo wird die ganze Spannweite solcher Erfahrungen so unverstellt ausgesprochen wie in den Psalmen. Die Klagepsalmen überraschen durch ihre Direktheit. »Wie lange noch, HERR, vergisst du mich ganz? Wie lange noch verbirgst du dein Angesicht vor mir?« (Ps 13,2). Hier spricht kein Mensch, der seine Not bereits überwunden hat. Er hält Gott vor, was er nicht versteht. Seine Worte sind weder beschwichtigend noch sorgfältig geordnet. Sie kommen aus einer Erfahrung, in der Gottes Nähe gerade dort vermisst wird, wo sie am dringendsten gebraucht würde. Darin liegt eine wichtige biblische Einsicht: Klage ist nicht das Gegenteil von Glauben. Wer Gott sein Leid entgegenhält, nimmt ihn als Gegenüber ernst. Der Glaube verlangt nicht, vor Gott stets die angemessenen Gefühle zu haben.
Auch die Frage nach seinem Schweigen darf an ihn gerichtet werden.
Nach einem Verlust können Gefühle auftreten, die einem Menschen selbst fremd sind: Zorn, Schuld, Angst oder das Empfinden, von Gott verlassen zu sein. Vielleicht hat jemand gelernt, dass Beten Trost schenkt, und erlebt nun, dass dieser Trost ausbleibt. Dann kann schon die Vorstellung, solche Empfindungen seien unzulässig, zusätzlich belasten. Die Psalmen eröffnen einen anderen Zugang. Sie stellen Worte zur Verfügung, die ein Mensch zunächst nur leihen muss. Er braucht noch nicht erklären zu können, was in ihm vorgeht. Vielleicht findet er sich in einem einzigen Vers wieder. »Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir« (Ps 130,1) kann zum Gebet werden, ohne dass diese Tiefe näher beschrieben werden müsste. »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Ps 22,2) gibt dem Gefühl äußerster Verlassenheit Ausdruck. Nicht jeder Vers passt zu jeder Erfahrung. Doch manchmal trifft eine Zeile etwas, das ein Mensch selbst noch nicht sagen konnte. [...]
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