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Pausetaste gilt auch für Kinder |
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Kinder brauchen auch einmal Ruhephasen im Alltag. Wie Erwachsene auch. Dies klappt besonders in der Natur, etwa beim Kastaniensammeln Foto: FamVeld/iStock |
Zwischen Kita, Schule und Hort, zwischen Klavierstunde und Fußballtraining bleibt im Alltag vieler Kinder kaum eine Lücke frei. Warum Ruhepausen trotzdem unverzichtbar sind und wie sie sich in den Familienalltag einbauen lassen.
Kinder haben, man vergisst das leicht, einen Alltag wie im Großraumbüro. Ihren »Arbeitstag« in Kita oder Schule verbringen sie von morgens früh bis nachmittags spät mit anderen Kindern. Es ist trubelig, es ist laut, Rückzugsmöglichkeiten gibt es kaum, still ist es nie. Danach geht es nahtlos weiter: Hausaufgaben, Musikschule, Sport, Verabredungen mit Freunden. Auch zu Hause warten Geräusche und Reize – Geschwister, Fernseher, Smartphone, Gespräche.
»Ich brauche mal eine Pause«, würde man angesichts dieses Programms als Erwachsener sagen. Kinder, vor allem die Jüngeren, können das noch nicht. Sie nehmen nicht wahr, wann die Fülle an Eindrücken zu groß ist. Die Folgen kennen Eltern nur zu gut: Ihre Kinder werden gereizt, unkonzentriert oder quengelig. Und schaffen es erst recht nicht mehr, zur Ruhe zu kommen. Aber wie drückt man rechtzeitig die Pausetaste?
Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist das keine Frage der Erziehung, sondern der Reifung: Die Fähigkeit zur Selbstregulation entsteht erst nach und nach, weil die dafür zuständigen Hirnareale, allen voran der präfrontale Kortex, noch bis weit ins Jugendalter hinein reifen. Jüngere Kinder sind deshalb auf sogenannte Ko-Regulation angewiesen: Sie brauchen Erwachsene, die ihnen von außen helfen, zur Ruhe zu kommen, weil sie es allein noch nicht zuverlässig schaffen.
Wie akut das Problem ist, zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage der Krankenkasse KKH unter rund 1000 Eltern von Sechs- bis Zehnjährigen: Ein Viertel der Kinder fühlte sich häufig gestresst, sei es in der Schule oder im Alltag. 42 Prozent der Eltern beobachten, dass der Druck auf ihr Kind zugenommen hat. Und fast jedes zweite Kind weiß der Umfrage zufolge noch nicht, wie es mit Stress und psychischer Belastung umgehen soll.
Der Tübinger Psychologe und Entspannungspädagoge Volker Friebel bringt das Grundproblem auf den Punkt: »Mit vielen Kindern wird sehr viel gemacht, sie werden umfassend gefördert. Das ist grundsätzlich in Ordnung, aber das Ruhebedürfnis wird dabei nicht berücksichtigt.« Zwischen Kursen und Freizeitaktivitäten gerät leicht aus dem Blick, dass Kinder auch Übung im Nichtstun brauchen. Zwar sei das Entspannungsbedürfnis unterschiedlich ausgeprägt, sagt Friebel, »aber ganz ohne geht es bei keinem Kind«. [...]
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