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Menschlichkeit wagen |
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| Jana Prochazka, Volontärin |
Wer in diesen Wochen über Weinfeste, Märkte oder andere Veranstaltungen schlendert, beobachtet vielleicht Folgendes: Immer mehr Essens- und Getränkestände werben mit professionell gestalteten Plakaten und Flyern. Die Bilder wirken hochwertig, das Design modern. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sie häufig dieselben Schriftarten und denselben Aufbau haben, und dass die Bilder wenig mit dem tatsächlichen Angebot zu tun haben. Hier war vermutlich künstliche Intelligenz (KI) im Spiel. Innerhalb von Sekunden generieren Programme wie ChatGPT Texte, Bilder oder sogar ganze Werbematerialien.
Die Chancen scheinen unbegrenzt, KI gibt Antworten auf jede Frage, unterstützt im Beruf und verfasst Gedichte oder Lieder. Doch Originalität ist hier Fehlanzeige. Denn künstliche Intelligenz kann nichts aus dem »Nichts« erschaffen, sondern kombiniert bestehende Daten neu. Deshalb wirken viele Flyer am Ende erstaunlich ähnlich. Schade! Wo ist die eigene Handschrift der menschlichen Kreativität?
Droht diese Fähigkeit verloren zu gehen, wenn wir sie nicht mehr einsetzen und alles an Rechenzentren abgeben? KI-Anwendungen sollen unseren Alltag erleichtern und Zeit schenken, damit wir unseren Gedanken und Vorstellungen freien Lauf lassen können. Jetzt scheint genau das Gegenteil einzutreten: Eine Maschine übernimmt kreative Prozesse, während der Mensch zum Korrekturleser seiner eigenen Ideen wird.
KI birgt auch gesellschaftliche und sicherheitspolitische Risiken. Evan Hubinger, ein Forscher des amerikanischen KI-Unternehmens Anthropic etwa, schätzt das Risiko, dass künstliche Intelligenz die Menschheit innerhalb der kommenden zehn Jahre auslöscht, auf mehr als zehn Prozent. Als sogenannte Superintelligenz könnte sie außer Kontrolle geraten. Dieses Szenario erinnert an eine Zukunftsdystopie oder den Film »Matrix«. Andere halten solche Warnungen für überzogen. Der Theologe Andreas Lob-Hüdepohl argumentiert, wer solche Szenarien wirklich für wahrscheinlich halte, müsste jede weitere Entwicklung sofort stoppen. Ansonsten dränge sich der Verdacht auf, mit apokalyptischen Szenarien Angst zu verbreiten, um alle Verantwortung auf öffentliche und staatliche Institutionen zu verlagern und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen. [...]
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