 |
| Reiner Schlotthauer |
Die Frage, wohin denn die Reise gehe, ist in diesen Tagen öfter als sonst zu hören. Wen wundert’s. Zum Bodensee, nach Kroatien, auf die Malediven: So lauten drei von mindestens tausend möglichen Antworten. Die einen hüpfen über Inseln, die anderen setzen zum großen Sprung an, bereisen ferne Kontinente. In null Komma nichts. Die Menschen brauchen keine Brücken mehr, fühlen sich wie Überflieger. Fast schon wie im Alltag, wenn man glaubt, dass bereits alles, ja wirklich alles geht.
Und so mancher, der nach ein wenig Erholung wieder, wie man so schön sagt, »darüber hinaus zu denken« lernt, beginnt die eingangs gestellte Frage ganz anders, ein Stück tiefer zu meditieren. »Wohin geht’s denn« für mich persönlich? Denn viel leichter ist es geworden, einen reichhaltigen und doch billigen »All-inclusive-Urlaub« zu buchen, als eine Brücke zu schlagen zum eigenen Leben, zum Leben anderer, die einem nahe, geschweige denn fern stehen, und schließlich hinüber zu den wirklich wichtigen Fragen, die sonst in der Flut der Informationen untergehen. Denn die Orientierung, ein stetig wachsendes Bedürfnis, kommt der explodierenden Datenmenge schon lange nicht mehr nach, wie ein exotischer Läufer, der im Olympiastadion überrundet wird. [...]
|