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Im Interview
Alina Pfeifer ist Poetry-Slammerin und schreibt Gedichte über Gott und die Welt
»Das Schreiben ist eine Gabe«



»Ein moderner Dichterwettstreit, bei dem Menschen mit selbstgeschriebenen Texten gegeneinander antreten« – das ist eine der Definitionen von Poetry-Slam. Seit 2013 ist daraus eine ganze Szene geworden. Zu dieser Szene gehört auch die 21-jährige Alina Pfeifer aus Eschenburg in Hessen. Mit 16 Jahren hat sie angefangen eigene Gedichte und Texte zu schreiben und sie auch auf Bühnen vorzutragen. Mittlerweile hat Alina Pfeifer ein eigenes Buch veröffentlicht, in dem sie über die Welt, aber auch über Gott und ihren Glauben schreibt.

Frau Pfeifer, wie kamen Sie zum Poetry-Slam?
Das ist in der Oberstufe in der Schule passiert. Da gab es einen philosophischen Tag und die Schüler mussten alle unterschiedliche, zum Tag passende Kurse wählen. Da gab es dann auch eine Poetry-Slam-AG. Ursprünglich war sie nur meine dritte Wahl, aber in der Mittagspause habe ich da mal reingeschnuppert und das hat mir so gefallen, dass da schnell eins zum anderen kam und dass ich mit 16 Jahren angefangen habe zu schreiben. Irgendwann bin ich mit meinen Texten auf sogenannte »Offene Bühnen« gegangen und habe meine Texte dort auch anderen Leuten vorgetragen. Mittlerweile habe ich auch schon an Poetry-Slam-Wettbewerben teilgenommen.

Was reizt Sie besonders daran?
Dass ich einfach das schreiben kann, was ich denke. Es ist anders als beim Reden. Da sagt man immer »erst denken, dann sprechen«, aber beim Schreiben ist es anders, da sprudelt es eher aus mir heraus. In Moment ist es mir nicht wichtig, was die anderen denken, es sind meine Gedanken, die ich hier aufschreibe. Ich kann ich selbst sein, ohne mich zu verstellen, genau das finde ich so gut daran. Ich kann über alles mögliche schreiben, alles was mich beschäftigt, rauslassen.

Wenn Sie ohne Nachzudenken alles aufschreiben, geben Sie dann auf der Bühne nicht sehr viel von sich preis?
Es ist eine große Überwindung, das stimmt. Das merke ich im Moment bei meinem veröffentlichten Buch am meisten. Da ist sehr viel Persönliches drin. Aber genau das ist mein Leben. In der heutigen Gesellschaft muss immer alles perfekt sein. Das beste Beispiel ist Social Media. Aber es gibt eben nicht nur die perfekte Seite. Deshalb finde ich das Vortragen auch so toll, weil ich mein Leben und das Unperfekte mit den Zuhörern oder Lesern teilen kann.

Welche Rolle spielen Glaube und Religion in Ihrem Leben?
Sie spielen eine große Rolle. Ich bin in einem christlichen Umfeld aufgewachsen. Bei uns ist es von klein auf so, dass wir in die Jungschar gehen, uns konfirmieren lassen und im Gottesdienst mit dabei sind. Für mich war das alles ganz normal, bis ich in die »weite Welt« gegangen bin und festgestellt habe, dass nicht jeder so aufgewachsen ist wie ich. Jede und jeder muss selbst die Entscheidung treffen, ob sie oder er den Glauben mit in den Alltag nimmt oder nicht. Ich habe festgestellt, dass der Glaube für mich eine wichtige Rolle spielt. Er ist für mich wie ein Fels in der Brandung. Er begleitet mich auch im Alltag.

Sie schreiben in Ihrem Buch auch über Gott und die Bibel. Wie geht das mit Poetry-Slam zusammen?
Das hat sich so ergeben. Die Leute aus meiner Gemeinde wussten schon sehr früh, dass ich gern lese und gut mit Worten umgehen kann, da habe ich dann ab und zu die Aufgabe der Lektorin übernehmen dürfen. Einmal wurde ich gebeten, einen Text für ein Jugendzeltlager zu schreiben. So habe ich das Texten mit der Zeit immer wieder versucht. Ich schreibe ja generell das, was mich beschäftigt und bewegt und das sind natürlich auch Glaubensfragen. Gerade in schwierigen Situationen kommen im Leben Fragen auf, mit denen jeder anders umgeht. Für mich ist das Schreiben ein Weg über meinen Glauben zu reden, aber gleichzeitig auch meine Zweifel und meine Fragen an Gott zu stellen.

War der Glaube schon vor dem Schreiben da?
Ja. Zu mir sind immen immer öfter Leute gekommen, die gesagt haben, dass ich eine Gabe hätte. Ich habe mich gefragt, was ist das, eine Gabe zu haben. Eine Gabe vielleicht von Gott? Eine Gabe zu haben, klingt immer schnell arrogant. Aber irgendwann haben es immer mehr Menschen zu mir gesagt und dann habe ich mich gefragt, ob es vielleicht wirklich ein Geschenk von Gott ist. Warum sollte ich so ein Geschenk von Gott bekommen und dann nicht über ihn schreiben? Und so gehörte und gehört es für mich einfach dazu, über Gott und den Glauben zu schreiben.

Welche Beziehung haben Sie zu Gott?
Eine ganz persönliche. Gott ist für mich ein richtig guter Freund. Es gibt im Alltag Situationen, in denen ich keine Zeit habe, ein förmliches Gebet zu sprechen. In solchen Momenten rede ich dann mit Gott eher wie mit einem Freund. Er ist irgendwie immer da, er ist mein Fels in der Brandung, mein Anker. Im Moment kann man ja nicht in den Gottesdienst gehen oder an anderen kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen, aber wir vergessen, dass Gott immer da ist, auch in den noch so kleinen Alltagssituationen. Ich finde es toll, dass ich nie allein bin, auch wenn ich mich einsam fühle.

Machen Sie diese Beziehung zu Gott durch das Dichten und Texten noch alltäglicher?
Ja, ich versuche es auf jeden Fall. Am Anfang, als ich über Gott geredet habe, hatte ich das Gefühl, dass er so weit weg ist. Aber eigentlich ist er allgegenwärtig, mitten unter uns. Deshalb versuche ich auch, durch die Texte nach ihm zu greifen. Manchmal frage ich sogar direkt: Gott wo bist du? Er zeigt sich dann etwa ganz simpel in der Sonne. Das finde ich so schön am Glauben.

Wie reagieren Menschen, die nicht religiös sind, auf Ihre Texte?
Es gibt schon Menschen, die sagen, dass sie das Buch nicht lesen, weil ich über Gott und den Glauben schreibe. Ich erkläre ihnen dann, dass es nur in einem einzigen Kapitel um das Thema geht. Man kann das Buch lesen, auch wenn man nicht an Gott glaubt. Ich hatte aber auch schon Begegnungen mit Menschen, die nichts mit dem christlichen Glauben am Hut haben. Sie haben gesagt: »Wow, du schreibst über etwas, was ich nachvollziehen kann. Ich weiß zwar noch nicht ganz, was du meinst, aber es berührt mich.« Dass ich andere durch meine Geschichten berühren kann, finde auch ich sehr berührend.

Haben Sie schon einmal negative Erfahrungen in der Poetry-Slam-Szene gemacht?
Ja, schon. Durch mein Alter war ich auf Poetry-Slams oft das Küken. Trotzdem trage ich auch ernstere Texte vor und bin damit unter den Kollegen meist allein. Das gefällt dem Publikum nicht immer. Ich habe mich oft gefragt, woran das liegen könnte. Doch dann hatte ich eine tolle, wiederaufbauende Situation: Mich hat ein Mädchen angeschrieben und mir mitgeteilt, dass sie gerade diesen ernsteren Text super fand. Das war für mich echt toll und ich habe mir gedacht, wenn ich nur einen Menschen mit meinen Texten angesprochen habe, dann ist das für mich schon der Wahnsinn.

Vergleicht man sich auch mit den Kollegen?
Ja. Durch die Pandemie trifft man sich gerade in der Szene nicht so häufig, aber über Social Media bekommt man trotzdem viel von den anderen mit. Wenn jemand anderer Komplimente bekommt, dann frage ich mich schon manchmal, was ich eigentlich kann: Wer hört mir zu? Was denken die Leute über mich? Das sind schon solche Momente, in denen ich an meinem Können, an meinen Texten zweifle und mich frage, wen interessiert das. Aber das gehört dazu. Eigentlich ist der Vergleich auch Schwachsinn, denn jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigenen Gedanken und Worte, die er den Menschen vorträgt.

Eine weitere große Thematik für Sie ist das Meer. Welche Rolle spielt es in Ihrem Leben?
Seit ich denken kann, sind meine Familie und ich immer in den Campingurlaub an die Nordsee gefahren. Nach dem Abitur wollte ich nicht direkt mit einer Berufsausbildung anfangen, sondern einfach noch mal rauskommen. Die anderen aus dem Jahrgang, die auch weg wollten, sind nach Amerika oder Neuseeland gereist. Ich wollte etwas anders tun. Also habe ich einfach einmal gegoogelt und habe den Bundesfreiwilligendienst in der Nordseeklinik auf Borkum gefunden. Ich habe meine Sachen gepackt und bin hoch gefahren. So spontan bin ich normalerweise nicht, aber ich hatte ein echt schönes Jahr dort oben und meine Nordseeliebe ist nur noch größer geworden.

Sind das die beiden großen Themen, die Sie auch zu dem Buchtitel »himmel trifft erde« inspiriert haben?
Ursprünglich habe ich »Wundervoll« vorgeschlagen, weil ich dachte, dass alles voller Wunder ist. Aber es gibt auch einen Text von mir, der »Himmel trifft Erde« heißt. Der Verlag hat mir den Titel vorgeschlagen und ich fand ihn auf Anhieb toll. Mir gefällt das Wortspiel so gut. Auf der einen Seite spiegelt es meinen Glauben wieder, denn es gibt keine Grenze zwischen Himmel und Erde, sondern man vermisst eher die kleinen Momente auf der Erde, in denen man merkt, dass Gott da ist. Aber auf der anderen Seite habe ich am Meer auch tatsächlich das Gefühl, dass dort der Himmel auf die Erde trifft. Gerade abends, wenn die Sonne untergeht. Da gibt es keine Grenzen zwischen Himmel und Erde, weil für einen kurzen Moment beides aufeinander trifft.

Was ist Ihnen für Ihre weitere Zukunft wichtig?
Ich möchte mir beibehalten, weiterzuschreiben, egal was andere sagen oder denken. Ich wünsche mir, dass die Welt wieder ein bisschen normaler wird, denn ich habe total Lust, wieder auf Bühnen zu stehen und meine Texte vorzutragen. Und ich will wieder an die Nordsee reisen können. Ich will, dass einfach wieder richtig Leben ins Leben kommt.

Interview: Manuela Kaczmarek
Foto: Leonie Meyer/Alina Pfeifer
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