aktuelle Doppelausgabe 31-32/2010 |
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| KS-Leserreisenbericht 2008 |
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| Jordanien |
| Von hier aus erblickte Mose das gelobte Land |
| Eine Reise durch Jordanien auf den Spuren der frühen Christen |
Die Leserreise des Katholischen Sonntagsblatt vom 11. bis 18. November 2008 führte unter fachkundiger Leitung von Pfarrer Dr. Wolfgang Gramer entlang der Spuren der Bibel an heilige und historische Stätten des frühen Christentums in Jordanien und sparte Begegnungen mit der aktuellen Geschichte nicht aus.
»Die ersten Christen waren Beduinen (Nomaden) und keine Kreuzritter.« Achmed, unser sachkundiger muslimischer Reiseführer, hat in Deutschland studiert und kennt so manche unserer Wissenslücken. Wir fahren entlang der Königsstraße, einer der beiden großen jordanischen Fernstraßen, die sich vor über 4.000 Jahren herausgebildet hatten und das rote Meer und das Pharaonenreich mit Nordsyrien verbanden. Auf dieser Straße entfaltete sich der von den Beduinen beherrschte Fernhandel mit orientalischen Gewürzen und Ölen, hier lagen Brunnen, Felder und Weinberge. Die im Süden gelegenen Edomiter verweigerten einst den aus Ägypten vertriebenen Israeliten den Durchzug und drängten sie in die Wüste.
Wir steigen auf den Berg Nebo, auf den einst Mose – aus den Steppen von Moab (des nördlich der Edomiter gelegenen Landes) hinaufstieg „und der Herr zeigte ihm das ganze Land“ (Deut 34,1). Wir blicken auf die weite Ebene des Jordan, der sich südlich in das 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegende Tote Meer ergießt. Dahinter, fast im schwirrend hellen Licht verschwindend, lassen sich die israelitischen Berge ahnen. Auf der westlichen Seite des Jordan liegt die Westbank – das von Israel besetzte Palästineser-Gebiet. Wir feiern die Eucharistie im Blick auf das Gelobte und so umstrittene Land und gedenken dankbar all derer, die Brücken zu bauen versuchen zwischen Juden und Arabern.
Die Mehrheit der Jordanier stammt aus dem einstigen Palästina. Wie viele es sind, will keiner offiziell wissen, dennoch steht das Rückkehrrecht der Flüchtlinge im politischen Raum. Diese haben jedoch längst die Zeltlager verlassen, wohnen in flüchtig zusammengemauerten Häusern am Rande Ammans, der Hauptstadt Jordaniens, und haben sich mehr oder weniger integriert.
Viel brennender ist die Wasserfrage. Die Reise führt uns weiter in den Norden, entlang des Jordantales und seiner üppig bewässerten Bananen- und Gemüsefelder, hin zum Taufplatz Jesu. Hier hat Johannes der Täufer, Sohn des Tempelpriesters Zacharias, die Bußwilligen getauft. Heute führt der Jordan nur noch wenig Wasser. Landwirtschaft und die Städte brauchen viel Wasser und Israel, Syrien sowie Jordanien streiten sich um die Wasserrechte.
Die letzten drei Tage verbringen wir, gut versorgt im luxuriösen Hotel, in der südlichen Felswüste und erkunden u. a. die antike Stadt Petra mit ihren zahllosen in rot-bunten Sandstein gehauenen Gräbern und überdimensional großen Grabfassaden, bewundern Bodenmosaike, staunen über das ausgeklügelte Wasserversorgungssystem der frühen Bewohner, erklimmen den hoch gelegenen Opferplatz und schauen weit über die von Wasser und Wind in bizarre Formen erodierten Sandsteinberge. Petra war einst die Hauptstadt der Nabatäer, einem aus beduinischer Stammesorganisation und dem Scheichtum hervorgegangenen Königtum, das bis 106 nach Christus die gesamte Weihrauchstraße kontrollierte. Ihre Nachfahren wohnten bis 1984 noch zusammen mit ihren Schafen, Ziegen und Dromedaren in der Stadt. Seitdem Petra zum Weltkulturerbe erklärt worden ist, leben sie etwas außerhalb, haben sich aber das Recht erbeten, die Geschäfte mit den Touristen betreiben zu dürfen.
Nach 800 Treppenstufen und 200 überwundenen Höhenmetern erreichen wir Ed-Deir, das 40 Meter hohe Portal des Klosters von Petra. Junge Frauen mit Walkman-Knöpfen im Ohr servieren uns arabischen Tee mit viel Zucker und Minze. Wir genießen die warme Sonne und den frischen Wind und wir hoffen, es war nicht die letzte Begegnung mit unserer eigenen religiösen Geschichte und einem fremden wie zugleich so gastfreundlichen arabischen Land.
Bei der abschließenden Rückschau spricht Pfarrer Gramer ein Gebet des Propheten Mohammed und bedankt sich bei unserem muslimischen Guide für seine Kenntnis der Bibel wie der Geschichte. |
| Andrea Fink-Keßler |
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