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KS-Leserreisenbericht 2008
Jakobsweg II
Caminando va – unterwegs auf dem Jakobsweg von Schwäbisch Hall nach Esslingen
Bericht zur Leserreise vom 28.–31. Juli
Rucksack und Wanderschuhe – alles ist wieder an seinem Platz, aber in Erinnerung ist mir immer noch das Lied: Caminando va – Leben lebt vom Aufbruch!

Caminando va – machen wir uns auf! – es war der Liedruf, der uns während unseres ganzen Pilgerweges oft am Tage begleitete und stete Mahnung war: Es geht weiter, machen wir uns auf!


Der Aufbruch und die täglichen Rituale
Am 28.07.08 trafen sich 20 PilgerInnen mit Pilgerwegbegleiterin Centa Schmid an der großen Freitreppe von St. Michael im schönen Schwäbisch Hall. Dort hatte im September 2007 die erste Etappe des ›Hohenloher Camino‹ geendet. Vertraute Gesichter und neue Gesichter! Nach Begrüßung, kurzer Einführung und Statio an den Stufen des majestätischen Gotteshauses begannen wir die erste Tagesetappe mit Endziel Oberrot-Hohenhardtsweiler. Centa hatte das gemeinsame Pilgern jeden Tag unter ein besonderes Motto gestellt. Der erste Tag stand unter dem Wunsch ›Mögest Du auf Deinem Weg Freunde finden, die Führung der Engel und das Geleit der Heiligen.‹

Wir bedachten die Worte schon am Morgen vor dem Aufbruch – wie jeden Tag bei der Morgenstatio –, außerdem konnte sich jede/r dazu persönliche Gedanken machen während des täglichen halbstündigen Schweige-Pilgerns. Möglichkeiten zum Austausch untereinander sind beim Pilgern in der Gruppe ohnehin unbezahlbar, das am Anfang immer erst zögerlich, aber später frei und ungezwungen vonstatten geht bei Gesprächen über ›Gott und die Welt‹.

Begegnungen unterwegs
Sie gehören immer zum beglückendsten! Schon am ersten Tag stellte uns der Uttenhofener ›Bäcker am Wege‹ einen Korb voll frisch gebackener Brezeln zum Mittagsimbiss bereit. Oh, wie das duftete! Den richtigen Weg zur Übernachtungsstätte, die etwas abseits vom Pilgerweg lag, zeigte uns ein Einheimischer – ja, er begleitete uns sogar ein ganzes Stück! Murrhardt entzückte uns als reizende Kleinstadt mit ihrer faszinierenden Geschichte von Abt Walterich. Ein Teil der Gruppe machte sich zu Fuß auf die Wegstrecke nach Oppenweiler, einige andere fuhren mit dem Zug. In der dortigen Jakobuskirche trafen sich alle wieder. Eine interessante Kirchenführung erschloss uns die Kostbarkeiten des Gotteshauses.

Ultreja – am dritten Tag hieß das Etappenziel Winnenden. In Allmersbach im Tal gab’s nach einer heißen Pilgerstrecke die mittägliche Stärkung. Wir bedankten uns bei den freundlichen Allmersbachern in der Kirchstraße mit einem Ständchen für all die überraschenden Wohltaten! Nach einer erholsamen Kaffeepause steuerten wir Winnenden an. Krönender Tagesabschluss war der Besuch der Schlosskirche St. Jakobus mit dem wunderschönen Altarretabel von 1520 zu Ehren des großen Pilgerheiligen. Einst war diese Kirche aus dem 14. Jahrhundert wichtige Anlaufund Sammelstation auf dem mittelalterlichen Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Der letzte Pilgertag
Vor der Schlosskirche, an der ›Jakobuslinde‹ brachen wir auf nach Esslingen. Durch Weinberge und Streuobstwiesen, mit faszinierenden Ausblicken ins Remstal, ging es der Schurwaldhöhe zu. Wer seine Augen schweifen ließ über diese schöne Landschaft, fühlte sich eins mit seinem Schöpfer, – wenn die Füße auch schmerzten und die Hitze schon den vierten Tag gnadenlos drückte. Wir waren dankbar für die kleinen Dinge – einen Weg im Schatten von Bäumen, einen kühlen Windzug, erfrischendes, kühles Wasser!

Der zum Open-Air-Kino hergerichtete Hof der Esslinger Burg erlebte mit uns die vorläufig letzte Statio mit Rückblick auf die gemeinsam verbrachten Tage. Leider konnten wir wegen eines Gottesdienstes die Pilgerzeit nicht, wie geplant, im Münster St. Paul beschließen. Das hinderte uns aber nicht, auf dem Kirchplatz das ›Großer Gott, wir loben Dich‹ anzustimmen. Dann trennten sich unsere Wege – für jeden in Richtung Heimat. Wie gesagt: Wanderschuhe und Rucksack sind weggeräumt, der Dank an alle bleibt! ›Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in Deinem Rücken sein! Und bis wir uns wiedersehen halte Gott Dich fest in seiner Hand‹-Ultreja – bis zum nächsten Mal – und dann wieder:

Caminando va! Lasst uns aufbrechen!
Marianne Behnke
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