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KS-Leserreisenbericht 2006
Santiago de Compostela
Auf der berühmtesten Pilgerstraße der Welt
Reiseleitung: Gerhilde Fleischer
»Man muss den Jakobsweg zu Fuß und alleine gehen« sagte einmal ein begeisterter Jakobspilger bei einem Treffen von Jakobusfreunden. Diese Maxime mag für jenen Wanderer richtig sein, wir aber möchten zusammen unterwegs sein, Erlebnisse und Eindrücke miteinander teilen und der Natur sowie den Menschen auf unserem Weg bewusst und froh begegnen – das und die Bereitschaft, sich auf jeden Tag neu einzulassen, verstehen wir unter Pilgern.

Mit dem Lied »Alle Morgen brechen wir auf, unsre Pilgerfahrt nimmt ihren Lauf. Los säumet nicht und kommt schnell! ruft die Stimme von Compostelle « beginnen wir alltäglich unsere Wanderung durch blühende Landschaften, wilde Schluchten und weites Ackerland.

Erste Station unserer Reise ist Le Puy in der Auvergne. Die dortige Kirche St. Michel de l’Aiguilhe mit ihrem schönen Kreuzgang ist für uns erstes Zeugnis der über tausendjährigen Pilgertradition des Jakobsweges. Weitere Kirchen folgen, allesamt Zeugnisse der langen Tradition dieser ersten europäischen Kulturstrasse.

Vor allem aber finden wir in den Gotteshäusern Stille und Gelegenheit zur inneren Einkehr, einer unserer Mitpilger gedenkt in bewegenden Worten seiner zu früh verstorbenen Tochter – ein sehr emotionaler Moment und eindrucksvoller Beweis dafür, dass wir Lasten leichter tragen, wenn wir sie mit anderen teilen. Diese Erfahrung bestätigt sich immer mehr und wird umso intensiver, je länger wir zusammen unterwegs sind.

Am 7. Tag unserer Reise erreichen wir Burgos, dessen perfekt erhaltene Altstadt uns nachhaltig beeindruckt. In der Kathedrale finden wir eine Darstellung der Muttergottes, die Jakobus zum Weitermachen ermuntert, als er enttäuscht über seine geringen missionarischen Erfolge aufgeben will. Ermutigung auch für uns im Alltag, wenn unser Tun manchmal den Anschein hat, dass es wenig bewirkt.

Nach elf Tagen ist es dann endlich so weit. Vom Monte del Gozo, dem Berg der Freude, erblicken wir zum ersten Mal die Türme von Santiago de Compostela. Als wir in der Kathedrale die Hand an die Säule legen, über der der Heilige Jakobus thront, lassen sich bei vielen die Worte »Danke für Dein Weggeleit, hier und in meinem Leben« am Gesicht ablesen.

Die Predigt im Pilgergottesdienst über den »Sturm auf dem See« fasst nochmals unsere auf der Fahrt gewonnene Erkenntnis in dem einen schlichten Satz zusammen: »Habt Vertrauen!« Auf der Heimfahrt blicken wir mit dem Lied »Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt sich regen, weil Leben Wandern heißt ...« zurück auf erlebnisreiche Tage und voraus in den Alltag.
Gerhilde Fleischer
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