aktuelle Doppelausgabe 31-32/2010 |
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| Rose und Werner Dierlamm aus Schorndorf ziehen ins Mehrgenerationenhaus |
| »Hier kann man sich gegenseitig
unter die Arme greifen« |
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| Wie stelle ich mir mein Leben im Alter vor? – eine Frage, die es wert ist, sich rechtzeitig mit ihr auseinander zu setzen. Rose und Werner Dierlamm aus Schorndorf haben sich bisher keine großen Gedanken gemacht, sie leben in einer Mietwohnung und so sollte es auch bleiben – bis sie sich spontan entschlossen, in ein Mehrgenerationenhaus umzuziehen. Nun freuen sie sich auf das neue Heim – wenn der Umzug nur schon geschafft wäre. |
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Freuen sich auf ihr neues Zuhause: Rose und Werner Dierlamm.
Foto: dim |
»Der Umzug bereitet mir Sorgen «, sagt Rose Dierlamm nachdenklich und schaut sich in ihrer gemütlichen Mietwohnung um. Gemeinsam mit ihrem Mann wagt sie den Schritt, mit 76 Jahren noch einmal eine neue Wohnung zu beziehen – ihre erste eigene. Die beiden Senioren haben sich für ein alternatives Wohnprojekt entschieden und eine Eigentumswohnung im Mehrgenerationenhaus am Mühlbach in Schorndorf gekauft. »Freunde haben uns gefragt, ob das nichts für uns wäre«, erzählt Rose Dierlamm, »denn es waren noch zwei Wohnungen frei«. Die beiden überlegten hin und her und beriefen schließlich den Familienrat ein. »Wir haben uns mit unseren vier Kindern beratschlagt«, sagt die 76-Jährige, »und die haben uns zugeredet.«
Der Gedanke nahm Gestalt an
Der Gedanke nahm immer mehr Gestalt an in den Köpfen des pensionierten evangelischen Pfarrers und seiner Frau, doch es gab auch finanzielle Hürden zu überwinden. »Wir haben unser Leben lang im Pfarrhaus gelebt«, betont die gebürtige Stuttgarterin, »und da gab es viele Gelegenheiten, Geld zu spenden, so dass wir nicht viel angespart haben.« Der Betrag, der auf der hohen Kante liege, sei eigentlich fürs Pflegeheim gedacht. Doch mit Hilfe der Bank und Unterstützung der Familie sei es doch gelungen, das Drei-Zimmer-Apartment für knapp 170 000 Euro zu kaufen. Insgesamt 30 Wohnungen hat das Mehrgenerationenhaus zu bieten, sieben davon sind Mietwohnungen. Die Bewohner sind bunt gemischt: Neben allein Erziehenden und älteren Paaren ziehen Alleinstehende, junge und behinderte Menschen ein. »Wir kennen schon viele von ihnen und es ist eine Gruppe zusammen gekommen, die auch zusammen passt«, stellt Rose Dierlamm fest – schon seit langem treffen sich die zukünftigen Bewohner freitags abends, planen, besprechen und organisieren, was ihnen in ihrem neuen Zuhause wichtig ist. »Wir gehören zu der Genossenschaft ›pro gemeinsam bauen und leben‹«, erklärt sie, »und konnten aktiv an der Gestaltung des Neubaus mitwirken.«
Im neuen Haus ist vieles praktischer
Dies schaffe einen ganz anderen und sehr persönlichen Bezug zu der Wohnanlage am Mühlbach, in der die Gegebenheiten praktischer sind, als in der Dierlammschen Mietwohnung. »Für uns gibt es keine Stufen mehr«, freut sich die Schorndorferin, der Aufzug halte vor der Wohnungstür. »Es sind drei Blöcke mit je drei Geschossen und dazwischen verläuft ein Innenhof mit Garten und Spielplatz«, beschreibt sie die Architektur, die Autos würden in die Tiefgarage verbannt. Zudem liege das Haus sehr zentral zum Stadtzentrum. »Im Mehrgenerationenhaus ist es schon so, dass man sich gegenseitig unter die Arme greift«, sagt sie, »wir leben aber selbstständig«. Wenn sie einmal auf Pflege angewiesen sein sollten, zögen sie aus – »im Pflegeheim sind wir schon angemeldet«. Die zukünftigen Bewohner haben sich in Gruppen eingeteilt und abgesprochen, wer sich wo einbringen kann. »Ich möchte mich in der Kinderbetreuung engagieren und beim Waschmaschinen- Plan mitmachen«, sagt Rose Dierlamm, ihr Mann hat sich der »Müllgruppe« angeschlossen.
Nicht nur sozial sondern auch ökologisch möchten die Bewohner etwas tun. Geheizt wird mit Erdwärme, eine Grauwasseraufbereitungsanlage wurde installiert. »Die Wohnungen haben alle Balkon oder Dachterrasse und sind richtig toll geworden«, schwärmt die 76-Jährige, außerdem gebe es schöne Gemeinschaftsräume: eine große Küche, Trocken-, Werk-, Fitness- und Kinderbastelräume, einen Fahrradkeller und eine Cafeteria.
Gleich zweimal Grund zum Feiern
»Ich denke, dass das richtig gut wird«, sagt die Schorndorferin, die sich auf ihre erste eigene Küche freut, »wir müssen das jetzt einfach auf uns zukommen lassen!« Grund zum Feiern gibt es allemal: nicht nur, wenn das Ehepaar Mitte November den Umzug hinter sich gebracht hat, sondern auch, wenn die beiden schon ein paar Tage in der Wohnung leben: »Vier Tage nach dem Umzug wird mein Mann 80«, sagt Rose Dierlamm und lacht: »Dann wird so richtig gefeiert!« |
| Diana Müller |
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