aktuelle Doppelausgabe 31-32/2010 |
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| Organisierte Nachbarschaftshilfe des Caritasverbandes für Stuttgart |
| »Da schaut man nicht auf die Uhr« |
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| Oft fällt es Ignacio Seifert erst auf, wenn er mit anderen Menschen spricht und diese sich wieder einmal über seinen Nebenjob wundern. »Was machst du in deiner Freizeit?« – so die übliche Nachfrage. »Nichts besonderes«, sagt er dann – zumindest nicht für ihn, schließlich engagiert sich der 36-Jährige schon seit seinem 16. Lebensjahr in der Organisierten Nachbarschaftshilfe des Caritasverbandes für Stuttgart. |
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Helfen ist für ihn ein selbstverständliches Bedürfnis: Ignacio Seifert im Einsatz.
Foto: dim |
»Das mit der Nachbarschaftshilfe war so eine Idee«, sagt Ignacio Seifert und schmunzelt. »Ich habe eine Beschäftigung gesucht, bei der es nicht vorrangig ums Geld ging, sondern darum, anderen Menschen zu helfen.« Die Nachbarschaftshilfe unterstützt nicht speziell alte Leute, auch wenn rund 80 Prozent der Caritas-Klienten in Stuttgart älter sind, sondern kümmert sich um Menschen, die in einer Notlage stecken und tatkräftige Hilfe benötigen. »Das kann die allein erziehende Mutter, die kinderreiche Familie, der schwerkranke Mann oder die behinderte Frau sein«, erklärt Martina Fäh, Einsatzleiterin in Stuttgart. Jeder, der seinen Alltag nicht mehr allein bewältigen kann, darf sich an die Nachbarschaftshilfe wenden.
Die meisten haben sonst gar keinen Besuch
Regelmäßig hat die 47-Jährige auch Frauen und Männer am Telefon, die sich – wie Ignacio Seifert – gerne engagieren möchten. 7,50 Euro Aufwandsentschädigung zahlen ihnen die Klienten pro Stunde. »Unsere Helfer leisten allerdings wesentlich mehr als das, was sie herausbekommen «, weiß die Sozialarbeiterin. Ignacio Seifert, der gerade eine ältere Dame betreut, nickt: »Unsere Leute freuen sich so sehr, wenn wir vorbeikommen«, viele hätten sonst keinen Besuch und seien froh, einmal mit jemandem reden zu können. »Da schaut man nicht auf die Uhr«, sagt der Stuttgarter, der hauptberuflich im Schichtdienst arbeitet.
Seit 17 Jahren ist Martina Fäh in der Nachbarschaftshilfe tätig und sieht sich ihre Bewerberinnen und Bewerber sehr genau an. »Ich habe so ein Gespür «, bemerkt sie, »und stelle schnell fest, ob derjenige für uns in Frage kommt oder nicht«. In all den Jahren sei niemand dabei gewesen, mit dem sie schlechte Erfahrungen gemacht habe. 43 Frauen und Männer betreuen etwa 80 Klienten in Stuttgart Mitte, die jüngste Mitarbeiterin ist 16, die älteste 76 Jahre alt.
Sechs Stunden pro Woche bringt Ignacio Seifert für seine Klientin Ingeborg Rosenberg auf, er macht Besorgungen, spült das Geschirr, räumt auf, geht einkaufen und spricht mit ihr. Dafür ist sie ihm sehr dankbar: »Ich freue mich, wenn die Caritas kommt«, sagt sie, »ich habe keine Angehörigen mehr und bekomme kaum Besuch. Alleine würde ich es nicht schaffen!«
Seit zwei Jahren wird die 77- Jährige von der Nachbarschaftshilfe betreut, Diabetes, Herzprobleme und eine schwere Osteoporose machen der ehemaligen Verkäuferin zu schaffen. Die Dinge des täglichen Lebens hat sie in Griffhöhe in der ganzen Wohnung verteilt, das Strecken und Bücken will nicht mehr klappen. Ihre Wohnung im 5. Stock kann Ingeborg Rosenberg alleine nicht mehr verlassen – doch am Wochenende will sie es mit Seiferts Hilfe noch einmal versuchen. Ihre ehemaligen Kolleginnen treffen sich zum Kaffeetrinken und da möchte sie gern dabei sein.
Einsatzleiterin Martina Fäh pflegt einen engen Kontakt zu den Angehörigen, »aber ich stelle auch fest, dass es immer mehr Vereinsamung gibt«. Häufig sei bei älteren Menschen das ganze Umfeld verstorben und sie blieben allein zurück. Bisher werden im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet insgesamt 479 Menschen von 313 Helfern betreut. Doch der Bedarf wird auf jeden Fall zunehmen, ist die Sozialarbeiterin überzeugt. »Die Familiensituationen werden schwieriger, die Zahl der allein Erziehenden steigt, die Menschen werden immer älter«, begründet sie.
Wo Kleinigkeiten viele Sorgen abnehmen
Ignacio Seifert hat seinen Schritt zum Caritasverband nicht bereut. »In meinem Beruf habe ich nicht so viel mit Menschen zu tun«, betont der junge Mann, »da bin ich froh, wenn ich mich über die Nachbarschaftshilfe einbringen kann!« Oft sind es nur Kleinigkeiten, die die engagierten Helfer übernehmen, doch den Menschen, die es selber nicht mehr erledigen können, nehmen sie viele Sorgen ab. |
| Diana Müller |
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