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Lebenshilfe
Betreutes Wohnen zu Hause in Horb
Ich möchte möglichst lange daheim bleiben!
89 Jahre ist Erika Scheer alt, doch die sieht man ihr nicht an. Sie lebt allein in ihrer gemütlichen Wohnung in Horb am Neckar und gestaltet den Tag so, wie sie das möchte. Regelmäßig fährt sie mit der Bahn nach Stuttgart, um über die Königstraße zu bummeln oder trifft sich mit ihrer Freundin in einem Café. Die 89-Jährige hat einen Sohn, der im Ausland lebt, doch einsam ist sie nicht – dank der Katholischen Spitalstiftung in Horb.
Für viele Menschen stellt der Umzug ins Pflegeheim eine Notlösung dar: Dabei können sie dort häufig viel besser und qualifizierter betreut werden als zu Hause.
Foto: Wodicka
»Am liebsten würde ich überall Reklame für den Sozialdienst machen«, schwärmt Erika Scheer. Die 89-Jährige war die Erste, die 2006 den Vertrag für das »Betreute Wohnen zu Hause« in Horb unterzeichnet hat. »Ich war immer kerngesund «, sagt die schlanke grauhaarige Dame, die als Institutssekretärin an der Universität Hohenheim gearbeitet hat, doch im vergangenen Jahr erkrankte sie an Krebs. Als sie nach der Reha in ihre Wohnung zurück kam, fühlte sie sich hilflos und erinnerte sich an einen Artikel über das Betreute Wohnen, den sie in einer Zeitschrift gelesen hatte. Sie nahm Kontakt zur Katholischen Spitalstiftung in Horb auf und unterzeichnete den Vertrag wenige Tage später.

»Ich wollte keinem zur Last fallen«
»Ich wollte meinen Angehörigen nie zur Last fallen«, betont die gebürtige Bönnigheimerin, deren Sohn im Ausland lebt und deren Mann im Krieg in Stalingrad vermisst gemeldet wurde. Danach hat die damals noch so junge Frau mit dem kleinen Kind nie wieder geheiratet. Sie ist allein geblieben, hat gearbeitet und so das Geld zusammen gespart, das sie für das Internat ihres Sohnes benötigte. Sooft er kann, besucht der Jurist seine Mutter, die nun von der Sozialstation betreut wird. »Ich habe das Gefühl, eingebettet zu sein in eine große Familie«, sagt Erika Scheer, die froh ist, nach wie vor in ihrer eigenen Wohnung leben zu können. 95 Euro im Monat kostet der Vertrag mit der Spitalstiftung, ein Notrufgerät, mit dem sie jederzeit Hilfe rufen kann, hat sie gratis bekommen. Zwei Mal in der Woche kommt eine Pflegekraft, die sich um ihre Bedürfnisse kümmert, hierfür zahlt sie 100 Euro.

Erika Scheer wird auch von der Nachbarschaftshilfe unterstützt, die einmal pro Woche kommt, putzt, einkauft und erledigt, was ansteht. Dieser Dienst kostet stundenweise 9,50 Euro. Mittags bekommt sie Essen auf Rädern, aber die Portionen seien so groß, dass sie ihr für zwei Mittagessen reichten. »Ich bin gut versorgt«, erklärt die Horberin, die sich besonders auf den Wochentag freut, an dem die Dame vorbeikommt, die sich so nett mit ihr unterhält. Auch das läuft über die Spitalstiftung.

»Es ist mir eine große Hilfe, dass die Sozialstation alle diese Dienste für mich vermittelt hat«, sagt sie dankbar. Das Gefühl, dass sie jemanden habe, wenn sie ihn brauche, ist für sie ausschlaggebend. Enttäuscht ist Erika Scheer von ihrer Krankenkasse, in der sie seit 70 Jahren Mitglied ist, die sie aber mit keinem Euro unterstützt: »So viel Rente bekomme ich auch nicht«. Die 89-Jährige blickt den Tatsachen ins Auge: »Wenn es mir schlechter geht, ziehe ich ins Pflegeheim. Wenn man merkt, dass es daheim nicht mehr klappt, muss man den Verstand einschalten «, findet sie. Sie habe sich dort bereits angemeldet und auch schon eine Patientenverfügung verfasst. »Aber«, sagt sie dann schmunzelnd, »der liebe Gott hat mir bisher doch geholfen, dass ich hier bleiben kann!« Erika Scheer hadert nicht mit den Höhen und Tiefen ihres Lebens, auch, wenn sie manchmal denkt, dass es gut gewesen wäre, bei der schweren Operation letztes Jahr einfach einzuschlafen. Dann hätte sie es schon hinter sich. Und doch: »Man darf sich nicht aufgeben«, sagt sie mit Nachdruck. Vom Herumhocken werde jeder depressiv, »man muss unter Menschen!«.

»Dann bin ich stolz, dass ich das geschafft habe«
Regelmäßig bestellt sich die alte Dame ein Taxi zum Bahnhof und fährt von dort aus mit dem Zug nach Stuttgart. Ganz langsam geht sie dann über die Königstraße und läuft vor bis zum Königsbau. »Dann sitze ich in einem Café am Schlossplatz, genieße den wunderschönen Tag und bin einfach nur stolz auf mich, dass ich das geschafft habe«, sagt sie. Man muss die winzigen Lichter erkennen und sich über kleine Dinge freuen – das hat sie zu ihrem Grundsatz gemacht, denn, und da ist sie sich ganz sicher: »Der liebe Gott lastet einem nicht mehr auf, als man ertragen kann!«.
Diana Müller
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