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Lebenshilfe
Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung in Sindelfingen
»Viele Angehörige melden sich erst, wenn es nicht mehr geht!«
Ob Dauer-, Kurzzeit- oder Tagespflege, ob offener Mittagstisch oder Sozialdienst – die Angebote, die die Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung älteren Menschen in der Diözese macht, sind vielfältig. 17 Altenzentren mit mehr als 1700 Pflegeplätzen betreibt die kirchliche Einrichtung in Baden-Württemberg und entwickelt sich fleißig weiter: Bauprojekte, eine Stiftungsgründung und innovative Betreuungsangebote mit christlichem Hintergrund.
»Ich bin ein Mensch, der alles anpackt und als es zuhause nicht mehr ging, bin ich ins Haus Augustinus gezogen«. Seit vier Jahren lebt Hertha Grobauer im Pflegeheim und fühlt sich wohl – hier mit Pflegedienstleiterin Zeljka Grgic.
Foto: dim
Freundlich strahlt die Sonne in die Räume und lässt die bunte Dekoration, Blätter, Kastanien und Kürbisse leuchten: Im Altenzentrum Haus Augustinus der Paul Wilhelm von Keppler- Stiftung in Sindelfingen sind die schönen Seiten des Herbstes spürbar. Schließlich sollen sich die Bewohner wohl fühlen – 75 stationäre Plätze, einen Kurzzeitpflegeplatz und fünf Tagespflegeplätze bietet die Einrichtung. »Zuerst der Mensch – so lautet unser Grundsatz«, betont Thomas Fischer, der bei der Keppler-Stiftung für Kommunikation und Marketing zuständig ist. »Wir versuchen, uns an unsere Bewohner anzupassen und sie so individuell wie möglich zu betreuen«, erklärt er, das gehöre zum christlichen Menschenbild und zu ihrer Grundeinstellung.

Das Haus Augustinus ist frisch modernisiert
Vor wenigen Jahren wurde das Haus Augustinus modernisiert, es liegt ruhig am Sindelfinger Stadtrand. »Unsere Zentren sind offen, damit Menschen Zugang zum Haus finden«, sagt Fischer, ein Mittagstisch für die Schüler des Gymnasiums und generationenübergreifende Projekte sorgen für den Austausch zwischen Jung und Alt. Religiöse Angebote stehen auf der Tagesordnung und in jedem Haus der Keppler-Stiftung ist eine Kapelle zu finden – »wir nehmen das ernst«, so der 53-Jährige, »weil wir uns als katholischer Träger profilieren wollen«. Das schätzt auch Hertha Grobauer. Seit vier Jahren lebt die 85-Jährige im Haus Augustinus. »Hier gibt sich jeder Mühe und ich fühle mich wohl«, betont die alte Dame. Das Laufen halte sie fit und so spaziere sie oft über die Flure – bei den Gottesdiensten sei sie immer dabei. »Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet, jetzt will ich meine Ruhe haben«, sagt sie.

Bei 85 Jahren liegt das durchschnittliche Aufnahmealter der Bewohner der Keppler- Stiftung, weil viele den Eintritt lange hinauszögern. »Die Angehörigen gehen an ihre Grenzen und melden sich erst, wenn es gar nicht mehr geht«, bedauert Fischer das schlechte Image der Pflegeheime. Der stationäre Bereich gelte als Notlösung, »dabei nehmen wir Menschen auf, die ziemlich verwahrlost sind«. Zu Hause werde die Pflege eben doch nur suboptimal geleistet. »Wir stellen uns den Berichten über die skandalösen Zustände in den Pflegeheimen«, betont Fischer, »wir haben nichts zu verbergen«. Seit einiger Zeit wirkt die Keppler-Stiftung an einem Forschungsprojekt der Uni Heidelberg mit, in dem es um Lebensqualität in der stationären Altenhilfe geht. »Wir wollen uns weiter verbessern«, betont der 53-Jährige.

Darum bemüht sich auch Pflegedienstleiterin Zeljka Grgic. 80 Mitarbeiter sind im Haus Augustinus im Einsatz, das Personal wird langfristig beschäftigt. »Wir arbeiten hier nur knapp an der Kostendeckung«, so Grgic, »aber Nachfrage und Angebot stimmen überein«. Der Druck ist groß, da sich das Angebot an Pflegeeinrichtungen in den letzten Jahren massiv entwickelt hat. »Einige Heime bezahlen ihre Mitarbeiter schlechter und können deshalb Pflegesätze herabsetzen «, erklärt sie, das könne doch auch nicht sein.

Viele Kosten seien von den Pflegesätzen nicht gedeckt, doch auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen und ihnen individuelle Angebote machen zu können, bedeute Aufwand, bestätigt Thomas Fischer. Deshalb hat die Keppler-Stiftung kürzlich mit der CaritasStiftung Lebenswerk Zukunft die Stiftung »Das ganze Leben« gegründet. Startkapital: 100.000 Euro. Ihr Ziel ist die Lebensqualität in allen Phasen des Lebens, Lebensfreude und christlich verstandene Menschenwürde in der Alten- und Krankenpflege und im Hospizwesen. Nun suchen die Stiftungsgründer Leute, die diese Ziele finanziell unterstützen.

»Ich wollte abends nicht mehr alleine sein«
Irma Streitberger hat einen Platz im Haus Augustinus gefunden. »Als mein Mann verstorben ist, wollte ich nicht mehr in unserem Haus leben«, sagt die 84- Jährige, »ich wollte abends nicht mehr alleine sein«. Drei Jahre ist das nun her. Die gebürtige Sindelfingerin schätzt die gute Versorgung im Pflegeheim, gerne nimmt sie die Angebote an. »Ich kannte das Haus früher nur von außen«, sagt sie, »doch heute fühle ich mich hier drinnen sehr wohl!«
Diana Müller
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