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Leib & Seele
Wege der Frömmigkeit (3): Wie das Gespräch mit anderen gelingt

Sich aufeinander einlassen

Die eigene innere Standfestigkeit ist Voraussetzung, um sich in die innere Welt einer anderen Person, die anders denkt, an Anderes glaubt, hineinversetzen zu können. Wer seiner selbst sicher ist, wird auch eher bereit und in der Lage sein, sich auf Andere einzulassen.
Foto: iStock
Wie gelingt es mir, zu mir selbst zu stehen und trotzdem offen zu bleiben für andere? Gerade im religiösen Bereich fällt es oft schwer, für die Glaubensüberzeugungen anderer wirklich offen zu sein oder gar ihre Einstellungen, Überzeugungen und Frömmigkeitsformen zu verstehen. Das kann zuweilen eine sehr große Herausforderung werden. Denn, um mich in die innere Welt eines anderen Menschen einfühlen zu können, was Vorraussetzung dafür ist, um ihn und seine Überzeugungen verstehen zu können, muss bei mir etwas Grundsätzliches geschehen.

In mir muss ein Raum sein, in dem sich die innere Welt des andern ausbreiten kann. Der Philosoph Edmund Husserl spricht hier von Epoché. Er will damit sagen: Will ich jemanden wirklich verstehen, muss ich alle vorgefassten Ideen über ihn für einen Moment auf die Seite legen. Sonst laufe ich Gefahr, den anderen und das, was er glaubt, lediglich durch den Filter meiner vorgefassten Meinungen zu sehen. Ich handle dann wie Prokrustes, jenem Wirt aus der griechischen Sagenwelt, der seine Gäste den vorhandenen Betten anpasste. Waren deren Beine zu klein für seine Betten, streckte er sie entsprechend lang, waren sie zu lang, hackte er die überstehenden Gliedmaßen ab.

Wir können aber unmöglich die innere Welt des anderen genau wahrnehmen, wenn wir uns eine wertende Meinung über ihn gebildet haben, meinte schon Carl Rogers, der Begründer der Gesprächspsychotherapie. Wenn Sie dies bezweifeln, suchen Sie sich doch jemanden, mit dem Sie in entscheidenden Glaubensfragen oder Gottesvorstellungen nicht übereinstimmen. Sie sind zum Beispiel davon überzeugt, Gott ist eine Person, mit der Sie in eine personale Beziehung treten können, für den anderen aber ist Gott einer Welle vergleichbar. [...]
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